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Klosterpark

Das Kloster Oestringfelde

Das Oestringer Feld war einst eine ausgedehnte Heidelandschaft auf dem schmalen Schortenser Geestrücken. Der Ortsteil Oestringfelde bewahrt bis heute den Namen. Im Mittelalter auf dem Landwege und zu Wasser erreichbar, lag hier ein zentraler Versammlungsplatz von besonderer Bedeutung für den alten Friesengau Oestringen.

Vermutlich gab es hier schon zur heidnischen Zeit eine Kultstätte. Aus der Überlieferung ist der Name Heiligtum erhalten. Das scheint der Platz zu sein, der aus vorchristlicher Zeit bis zur Gegenwart in Erinnerung geblieben ist. Auch in den mittelalterlichen Auseinandersetzungen um die Unabgängigkeit der Oestringer spielte das Gebiet eine besondere Rolle.

Der Sage nach soll Willehad 781 hier die ersten heidnischen Oestringer getauft haben. Um 1850 zeigte man noch die Reste jenes alten „Meeres“, das „Engelsmeer“. Es soll westlich des Klosterturmes gelegen haben. Dieser Platz galt den Oestringern als heilige Stätte.

Als im 12.Jh. bei einer aus nichtigem Grund geführten Stammesfehde der Oestringer gegen die Rüstringer, Harlinger, Brockner und Auricher der Kampf verloren zu gehen drohte, gelobten diese, im Fall eines Sieges, die Erbauung einer Kirche. Die Oestringer haben durch diese siegreichen Schlachten ihre Freiheit erlangt. Die Friedensverhandlungen zwischen den Oestringern und den Rüstringern fanden im Jahre 1168 an der Maade statt.

Die Oestringer, die die Rüstringer besiegten, erbauten zum Dank an die Mutter Gottes eine prächtige Kirche in „loco uppen velde“. Nach einem weiteren Siege über sächsische Eindringlinge auf dem Oestringer Felde selbst, gelobten sie „Unser leven vrouwen bilde dorch gang Oestringerland um to dragen“. Dieses Bild stand in der Kirche zu Oestringfelde. Die Prozession fand alljährlich am Tage nach Pfingsten statt und wurde erst um die Mitte des 16 Jh. eingestellt. Bei der Kirche entstand ein Chorherrenstift mit Grundbesitz in der näheren Umgebung. Die Chorherren, sogenannte Weltgeistliche, verrichten neben ihren Pflichten viele nützliche Dinge für die Bevölkerung. Sie entstammen wohlhabenden Familien und oft auch dem heimischen Adel. Sie waren gebildet und gewandt in vielen fachlichen Dingen. Unter der Leitung eines Magisters bestritten sie ihren Lebensunterhalt größtenteils von den Einkünften des Grundbesitzes und den „Pfründen“ der umliegenden christlichen Gemeinden. Sie haben einen großen Einfluss auf die geistige und wirtschaftliche Entwicklung in Oestringen genommen. Sie lebten in der „domeri“ nach den Regeln der benediktinischen Weltgeistlichkeit.

Über den Bau der Kirche gibt es keine weiteren Angaben. Sicher war die erste Kirche aus Holz erbaut wie die meisten Kirchen in ihrem Umfeld. Diese Klosterkirche brannte 1272 nieder. Mit dem Neubau eines Turmes wurde 1323 begonnen. In einer diesbezüglichen Urkunde sind einige Chorherren (sacerdotes) namentlich genannt.

Trotz Niedergang des Stiftes im 14 Jh. verlor die Örtlichkeit selbst nichts von ihrer Bedeutung für das öffentliche Leben in Oestringen. Sie diente weiterhin als Stätte für Volksversammlungen und später als befriedeter Versammlungsplatz für streitende Parteien aber auch als letzte Ruhestätte wählten kleine Häuptlinge der Umgebung gerne den Ort. Aber als um Mitte des 14 Jh. die Pest den größten Teil der Bevölkerung hinraffte, wurden auch die geistlichen Insassen Opfer dieser Krankheit. Die letzten Chorherren sollen an die Vechte gezogen und von dort zu gewissen Zeiten als „Bettelmönche“ in Oestringen aufgetaucht sein.

Um den Zorn des Himmels zu besänftigen, überwiesen die Verantwortlichen in Oestringen und Wangerland die ganzen Baulichkeiten 1350 dem Dominikanerkloster zu Norden zwecks Einrichtung eines Jungfrauenkonvents. Viel Unruhe und Not schuf den Nonnen in den fehdenreichen Zeiten des 15.Jh. ihr prächtiger, von jeder feindlichen Partei heiß umworbener, fester Kirchturm, der in friesischen Landen eine Besonderheit war. Um dem ein Ende zu bereiten, beschlossen, in Gemeinschaft mit Junker Sibet, die Lande Rüstringen, Oestrin¬gen und Wangerland 1432 den Turm zu „doerhouwen“. Zu „verneddern“ und zu „krenken“. Diese Zerstörung wurde jedoch nur teilweise ausgeführt, denn 1434 lassen die Häuptlinge von Jever und Kniphausen verlauten, Turm und Kirche sollten künftig niemals militärisch besetzt werden. Viele Zuwendung und Spenden wurden dem Kloster zuteil. Damit war oft der Wunsch für die geistliche Führsprache und ein Gebet für das Seelenheil des Spenders verbunden. Handel mit Grundstücken und Produkten verschiedenster Art sicherte den Lebensunterhalt des Konvents. Aber es ging auch eine große christliche Hilfsbereitschaft von den Insassen des Klosters aus.

Junker Boing von Oldersum und Gödens vermachte dem Kloster, in dem schon seine Großeltern ihre letzte Ruhestätte fanden, um 1540 auf seinem Totenbette eines seiner besten Pferde.

Nach der Reformation bahnt sich 1556 unter Remmer vom Seediek die Aufhebung des Klosters an. Unter Frl. Maria geschah indessen keine Veränderung, nur ein protestantischer Prädikant wurde dem Kloster zugeteilt. Erst 1577 trat der Konvent sein ganzes Besitztum an Graf Johann von Oldenburg gegen lebenslänglichen freien Unterhalt der Insassen des ehemaligen Klosters ab. 1584 starb Beate Juchter, die letzte Priorin, und 1596 die letzte Nonne Hille Engelken.

Graf Anton Günther ließ 1609 die baufällige Kirche abbrechen; die Steine kamen nach Wangerooge. Das Quaderwerk des stehen gebliebenen Turms wurde auf gräflichen Befehl als Steinbruch genutzt, um das Material zur Bekleidung des Grabens um Kniphausen zu gewinnen. 1796 wurde der Abbruch des Turmes gegen den Willen der Bevölkerung vom anhaltinischen Fürsten und Landsherrn von Jever, Friedrich August, dem Bruder der russischen Zarin, verfügt. Das gewonnene Material gelangte für Kasernenbauten und Pflasterarbeiten nach Jever. Das Klostergut wurde nun von der Herrschaft als Vorwerk verwaltet und später in Erbpacht gegeben. Hier lebten auch die Familien Schemering und Richter, die mit dem „Wunderpferd“ und als Wildschütze besonders in Erinnerung sind. Das Gut gelangte 1839 durch Kauf für 10 900 Reichstaler in den Besitz des auch für die Heimatforschung hochverdienten Hofrates Hein¬rich Georg Ehrentraut aus Jever. Die landwirtschaftlichen Gebäude standen noch innerhalb der Klosteranlage. Das Kloster selbst war ein riesiger Trümmerhaufen. Der jeversche Amtmann Strackerjan wünschte dem neuen Besitzer bei der Übergabe eine glückliche Hand bei der Verschönerung der erworbenen Anlage. Das gelang auch prächtig, wie man heute noch sehen kann. Ehrentraut hat sich auch das Verdienst erworben, den Turmstumpf freigelegt und mit herumliegenden Quadersteinen renoviert zu haben. Die Außenseiten der Mauern sind dabei wieder mit Quadern erhöht, ergänzt und bekleidet worden. Die Trümmer der Kirche und der anderen Konventsgebäude ruhen indessen unter den Schutthügeln.