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St. Stephanus Schortens

Die Schortenser St.-Stephanus-Kirche

St.-Stephanus-Kirche

Die St.-Stephanus-Kirche ist die älteste sicher datierbare steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel. In einer um 1250 im Kloster Oestringfelde entstandenen Chronik wird berichtet, dass die Oestringer – die hier ansässigen Friesen – im Jahre 1153 vor der Schlacht gegen ein großes sächsisches Heer gelobten, im Falle eines Sieges eine Kirche zu Ehren des heiligen Stephanus zu errichten. Sie schlugen den Feind; im Jahre 1168 wird die fertige Kirche im Rahmen von Friedensverhandlungen zum ersten Mal erwähnt, so dass die Jahre zwischen 1153 und 1168 als Bauzeit gelten können.

Weitere Details im Internet bei der Evangelischen Kirchengemeinde Schortens finden Sie hier.

Der Bauplatz

St. Stephanus liegt „hoch und trocken“ auf einem in ost-westlicher Richtung verlaufenden Geestrücken. Davor breitet sich im Süden fruchtbares Marschland aus, das die Grundlage für den Wohlstand der hiesigen Viehzüchter bildete. Auf demselben Höhenrücken hat man von 1973 bis 1975 auf der normalen Straßenhöhe ein Gräberfeld mit heidnischen und christlichen Urnen- und Körpergräbern aus dem 5. bis 12. Jahrhundert ausgegraben. Weil das Land nicht hochwassergefährdet war, konnten unsere Vorfahren 700 Jahre lang ihre Toten ohne künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden bestatten.

Die Warft und das darin verborgene Fundament der Kirche

Umso erstaunlicher ist es, dass die Kirche auf einem 4,50 m hohen Granitfundament errichtet wurde. Diese auf dem gewachsenen Boden errichtete, im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfene, 2 m breite Steinmauer bildet den Kern der Kirchwarft, die eigentlich ein „Plaggenhügel“ ist. Sie ist Ausdruck von Stolz und Selbstbewusstsein der Erbauer, die nach dem Grundsatz: „Sehen und gesehen werden“ diese Warft als Podest für ihre Kirche errichteten.

Die erste Steinkirche

Vor 1153 gab es in dieser mühsam zum Christentum bekehrten Gegend nur wenige, verstreut liegende Holzkirchen. Die Schortenser hatten keine eigene Kirche, sondern waren im 7 km westlich gelegenen Sandel eingepfarrt, wo der Bischof Adaldag von Bremen im Jahre 938 ein Kirchspiel gegründet, den Bau einer hölzernen Kapelle veranlasst und einen geweihten, für die geistliche Versorgung aller Einwohner zuständigen Priester eingesetzt hatte. Obwohl die Oestringer dort „zwangseingepfarrt“ waren, machten sie sich selbständig und bauten sich aus Stolz auf ihren militärischen Sieg eine eigene, steinerne Kirche. Es ist gut möglich, dass sie sich dafür einen versierten Baumeister, einen Lombarden, von einer Kirchenbaustelle am Rhein holten, an der sie vorbei gekommen waren, als sie ihr Vieh zum Verkauf flussaufwärts bis nach Köln transportierten. Unter der Leitung dieses Architekten, der sein Markenzeichen in Form von Lisenen und einem – später abgeschlagenen – Kreuzbogenfries hinterlassen hat, wurde aus Granitfindlingen von der heimischen Geest und importiertem Tuff aus der Eifel die Kirche errichtet.

Doppelschalige Mauern aus Granitquadern, die keine Quader sind

Die Findlinge wurden zubereitet, indem man sie an natürlichen Rissen entlang spaltete und dann an der glatten Bruchfläche quaderförmig d.h. rechteckig zurichtete und mit einem umlaufenden, etwa 10 cm breiten Rand versah. Die Rückseite wurde buckelförmig bearbeitet, so dass alle Steine gleich tief waren. Es ist völlig unklar, warum sich die Steinmetzen mit dieser Rundung abmühten, anstatt „echte“ Quader zu schaffen, die so viel einfacher zu vermauern gewesen wären! Die so zubereiteten Steine wurden mit der glatten Fläche zur Außen- bzw. zur Innenseite der Mauer aufeinander gesetzt, wobei als Auflagefläche nur die 10 cm „breiten“ Ränder genutzt werden konnten. Der Raum zwischen den einander gegenüber stehenden Buckeln musste sorgfältig mit Mörtel und Steinabschlag verfüllt werden, um der 1,50 m breiten, doppelschaligen Wand die nötige Stabilität zu geben. Viele Kirchen mit schwachem Fundament haben ihre Schwierigkeiten mit dieser Art von Mauerbau! Solche Granitquaderkirchen wurde nur im östlichen, zum Bistum Bremen gehörenden Teil der ostfriesischen Halbinsel und auch nur höchstens 100 Jahre lang gebaut, weil sich nach 1200 allmählich der von Zisterziensermönchen eingeführte Backstein durchsetzte, der sehr viel einfacher herzustellen und zu verarbeiten war.

Die Südtür für die Männer, die Nordtür für die Frauen

Die St.-Stephanus-Kirche ist ein ungegliederter Apsissaal. Wie alle Granitquaderkirchen hat sie ein Westportal, außerdem das später für Backsteinkirchen übernommene Südportal für die Männer und ein Nordportal für die Frauen. Leider stürzte 1676 der ungewöhnliche, einschließlich Spitze 57 m hohe Turm von St. Stephanus, der im Westen fest an das Schiff angebaut war, nach einem Blitzschlag ein und kippte auf das Schiff, das man beim Wiederaufbau 1680 um ein Joch verkürzte. Die heute gebräuchliche Westtür wurde in der neuen Westwand angelegt. Die Kirche ist heute 36 m lang und 11 m breit. Der Turm wurde 1728 zwei Meter vom Kirchenschiff entfernt unter Wiederverwendung von Granitquadern vorwiegend aus Backstein erbaut. 1817 erhielt er nach einem weiteren Blitzschlag ein niedriges Zeltdach.

Die Nordwand: Sichtbare Folgen einer Häuptlingsfehde von 1361

1361 wurde die mit Wall und Graben befestigte Kirche während einer Fehde von dem Häuptling Keno tom Brok belagert. Er ließ auf der Nordseite die untere Reihe der Granitquader aus dem Mörtelbett lösen und brachte dadurch die äußere Schicht der doppelschaligen Wand zum Einsturz. Das reetgedeckte Dach und der ganze Dachstuhl brannten – weithin sichtbar – aus. Beim Wiederaufbau wurde die Nordwand hastig und ungeordnet aus dem vorhandenen Material und neuem Backstein hochgezogen. Sie erhielt vier statt vorher fünf Fenster. Die Frauentür wurde zugemauert.

Die Südwand

Dagegen zeigt sich die Südwand noch zum großen Teil im Originalzustand: Sie besteht im unteren Drittel aus schönen, lebhaft gefärbten Granitquadern, darüber zu 2/3 aus Tuff. Im oberen Drittel befanden sich ursprünglich fünf verhältnismäßig kleine, romanische Fenster mit sichelförmiger Umrandung. Zwei davon sind original, allerdings nach unten verlängert, erhalten. Zwei weitere wurden gotisch verbreitert und verlängert; das fünfte, westlichste, ist nach dem Turmeinsturz neu gemacht worden. Die Südtür wurde 1361 verkleinert und mit Sandstein eingefasst, in dem tiefe Wetzrillen zu sehen sind.

Die Chorapsis

Die halbrunde Chorapsis, wurde 1361 beim Einsturz der Nordwand beschädigt, danach abgerissen und ganz neu bis zum Dachfirst des Schiffes erhöht und mit fünf – statt vorher drei – Fenstern versehen. Im unteren Teil wird die Wand durch vier eindrucksvolle, mannshohe Sandsteinkreuze gegliedert, die genau so mit Wetzrillen versehen sind, wie die Südtür. Wahrscheinlich haben Pilger, die am Ergotismus, der auch Antoniusfeuer genannten Mutterkornkrankheit erkrankt waren und zum Antoniusaltar unter dem Lettner gekommen waren, um Hilfe vom heiligen Antonius zu erflehen, etwas von dem geweihten Baumaterial abgeschabt und mitgenommen.

Der Lettner

Der durch eine flache, bemalte Holzbalkendecke abgeschlossene Innenraum beeindruckt durch seine ausgewogenen Maße und die durch die Südfenster einströmende Helligkeit. Die Kirche besitzt einen um die Mitte des 15. Jahrhunderts errichteten Lettner, der einer Brücke aus drei Bögen gleicht. Solche Backstein-Lettner wurden in der Zeit der wachsenden Ablassfrömmigkeit in unseren Dorfkirchen in erstaunlich großer Zahl errichtet. Unter den beiden äußeren, zum Chor hin durch eine Mauer verschlossenen Bögen wurden Seitenaltäre aufgestellt, die fromme Gemeindemitglieder aus Sorge um ihr Seelenheil gestiftet hatten. Der Hauptaltar blieb durch den offenen mittleren Bogen sichtbar. In Schortens sind Seitenaltäre für Maria und Anna belegt und einer für den heiligen Antonius, den Schutzpatron der Ergotismuskranken. Ein weiterer Altar stand hinter dem Lettner.

Der Passionsaltar

Die Kirchengemeinde ist mit Recht stolz auf ihren Hochaltar, ein kurz vor der Reformation wohl in Bremen geschnitztes dreiflügeliges Passionsretabel. Eine dendrochronologische Untersuchung ergab, dass die vom Schnitzer verwandten Eichen 1505 im Raum Niedersachsen-Küste gefällt worden sind. In 24 Reliefs, zwölf zu jeder Seite der zentralen Kreuzigungsszene, wird eindringlich die Passion Christi vom Einzug in Jerusalem bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes und dem Jüngsten Gericht geschildert. Außerdem stehen in der Altartafel die Statuen der sechs Altarheiligen. Das Triptychon ist bei heute ständig geöffneten Flügeln 5,64 m breit und 2,10 m hoch. Im Prinzip hat der Altar die 500 Jahre in der Apsis der Schortenser Kirche gut überstanden; gelitten hat er allerdings darunter, dass man die Reliefs zweimal (1898 und 1933) abgelaugt und neu gefasst bzw. schließlich holzsichtig belassen hat. Von November 2000 bis April 2001 wurde das Retabel vorbildlich restauriert. Eine große Hilfe boten den Restauratoren die 24 Kupferstiche aus der „Kleinsten Passion“ des Israhel von Meckenem (1445 – 1503), die der Schnitzer als Vorbilder genutzt hat und die die Altarforscherin Ingeborg Nöldeke in der Literatur entdeckte und zuordnen konnte.

Orgel und Taufstein

Neben Lettner und Altar, die aus in der Zeit vor der Reformation erhalten sind, ist die 1642 gestiftete, aus dem Umkreis von Ludwig Münstermann stammende Kanzel bemerkenswert. Die Orgel mit ihrem schönen Prospekt hat 1686 Joachim Kayser aus Jever gebaut, nachdem das Vorgänger-Instrument beim Turmeinsturz zerstört worden war. Etwa 1740 wurden die Brüstungen von Orgelboden und Lettner mit farbenfrohen Bildern von Propheten, Aposteln und Evangelisten bemalt. 1794 wurden die beiden schönen Kronleuchter gestiftet. Ungewöhnlich ist die nach einem Entwurf von Prof. Winter geschnitzte, von der Gemeinde 1917 zum 400. Jubiläum des Thesenanschlags gestiftete Jugendstiltaufe.

Nähere Informationen zur Orgel finden Sie hier.