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Accum

Die freiwillige Feuerwehr Accum nutzt das vierte Gerätehaus


Erste Spritzenhaus am Hermann-Willers-Weg – Neubauten zeigen die Entwicklung
Von Martin Noormann
ACCUM. Die freiwillige Feuerwehr in Accum hat seit ihrer Gründung vor nunmehr 75 Jahren eine stetige Entwicklung und Anpassung an den technischen Fortschritt und damit einen ständig wachsenden Raumbedarf gehabt. Diesem haben die jeweils zuständigen Kommunen mit der Schaffung eines Spritzenhauses oder Gerätehauses jeweils Rechnung getragen. So ist das heute genutzte schmucke Feuerwehrhaus an der Wilhelmshavener Straße im Ort bereits das vierte Gebäude für die Feuerwehr im Ort.

Nach der Gründung der freiwilligen Feuerwehr Accum gegen Ende des Jahres 1933 wurden die Geräte und auch das Spritzenhaus von der bis dahin in der Gemeinde Accum bestehenden Pflichtfeuerwehr übernommen. Dieses Spritzenhaus muss es seit dem 19. Jahrhundert gegeben haben. Über die Erstellung gibt es leider keine Unterlagen mehr, doch spätestens seit dem Jahr 1902 ist die Existenz des Gebäudes  nach den Protokollen des Gemeinderates zu Accum nachzuweisen.

Im Rat der Gemeinde wurde mehrfach über notwendige Unterhaltungsarbeiten beraten. Ein alter Beschluss vom 25. Juli 1902 lautet: „Der Zimmermeister D. B. Eggers zu Accum hat die Reparaturen am Spitzenhause Accum, welche sich nach dem hergegebenen Kostenanschlage auf 16 Mark 50 Pfennig beziffern, zur Ausführung zu bringen.“ Einen offiziellen Nachweis gibt es erst durch das im Jahre 1914 aufgestellte Register der Brandkasse zu Oldenburg, welches als Gebäude mit der Hausnummer 10 ein „Spritzenhaus“ in Accum vermerkt, welches im Eigentum der politischen Gemeinde Accum steht. Das aus Holz errichtete Zweckgebäude muss am heutigen Hermann-Willers-Weg in der Nähe des „Alten Kruges“ (heute Pokal-Center) gestanden haben. Die genauen Standorte der Gebäude wurden in den alten Registern nicht verzeichnet.

Ein neues „Spritzenhaus“ bekam Accum während des zweiten Weltkrieges durch die Gemeinde Kniphausen an der Einmündung der Straße „An der Mühle“ in die heutige Wilhelmshavener Straße. Dieses im wesentlichen aus einer Garage für das Fahrzeug bestehende Bauwerk wurde um 1952 von der Gemeinde Sillenstede abgebrochen, die an gleicher Stelle ein für damalige Verhältnisse ansprechendes Gerätehaus mit Schlauchturm und einer Wohnung errichten ließ. Die nächste Gebietsreform brache dem Ort Accum wiederum ein neues Gerätehaus, da das bisherige in keiner Weise mehr den Bedürfnissen entsprach. Die Gemeinde Schortens ließ 1990 das jetzige Gerätehaus für die Accumer Wehr an der Wilhelmshavener Straße am Ortseingang aus Richtung Pingelei errichten. Somit dürfte dieses schöne Feuerwehrhaus wohl das vierte „Spritzenhaus“ in Accum sein.

Drittes Spritzenhaus von 1952

 

Viertes Spritzenhaus von 1990
Repro/Foto: Noormann

75 Jahre Freiwillige Feuerwehrgeschichte in Accum im Wechsel der Zeit

Von Martin Noormann
ACCUM. Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Accum begann im Spätherbst des Jahres 1933. Die politische Gemeinde Accum war wenige Monate vorher in die neue Großgemeinde Kniphausen aufgegangen, die ihr Feuerwehrwesen neu regeln wollte. Von der Gemeindeverwaltung in Fedderwarden wurde der Landwirt Karl Harms aus Accum gebeten, auch in der Ortschaft Accum eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. In den Ortschaften Sengwarden und Fedderwarden waren diese Versuche bereits erfolgreich gewesen.

Die von Karl Harms sen. ausgehende Initiative hatte ebenfalls ein positives Ergebnis. Auf seine Einladung fanden sich Anfang Dezember 1933 Hans Dörschlag, Heinrich Gerdes, Folkert Eyhusen, Georg Buttfanger und Ferdinand Abken in der Schule des Ortes ein. Von diesen sechs Männern wurde die „Einheit Accum“ gegründet und Karl Harms zum ersten Ortsbrandmeister ernannt. Diese neue Wehr löste die bisher von dem Schmiedemeister Hermann Renken geführte Pflichtfeuerwehr der bisherigen Gemeinde Accum ab und übernahm auch die vorhandene Handspritze mit dem dazu gehörigen Schlauchmaterial. Mit dieser Handspritze, die noch geschoben werden musste, wurden die ersten Übungen gemacht. Ein solcher „Einsatz“ kostete damals sehr viel Muskelkraft. Eine generelle Grundausbildung erhielten die ersten freiwilligen Wehrmänner aus Accum dann in Fedderwarden unter der Leitung von Robert Haak, der in der neuen Gemeinde Kniphausen für das Feuerwehrwesen verantwortlich war. Bereits nach einem Jahr bekam die Einheit Accum eine sogenannte „Balke-Pumpe“, die schon von Pferden gezogen werden konnte. Die Pferde wurden jedoch recht bald von einem offenen Benzwagen abgelöst. Das von der Pflichtfeuerwehr übergebene „Spritzenhaus“, ein kleines Holzgebäude, reichte nun nicht mehr. Zunächst wurde bei Karl Harms ein neues Zweckgebäude als Holz errichtet.

Den ersten Einsatz für die neue Löscheinrichtung gab es in Pingelei, wo ein zum Abstellraum umfunktionierter Eisenbahnwagon in Brand geraten war. Danach war es bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges recht ruhig. Inzwischen hatten sich mehr Männer aus Accum für den freiwilligen Feuerwehrdienst gemeldet. Aber die Pumpe und das Fahrzeug mussten für den Kriegseinsatz abgegeben werden, es stand nur noch die Handspritze zur Verfügung  Die Balkepumpe wurde schnell zurückgegeben, musste aber von Privatfahrzeugen gezogen werden. Noch vor dem ersten Einsatz im Krieg wurde Karl Harms sen als Ortsbrandmeister von Ferdinand Abken abgelöst und die Wehr bekam ein Opel-Fahrzeug mit einer Koebe-Pumpe. Jetzt hatte man zwei Pumpen und konnte aus vielen Rohren Wasser geben und dazu gab es in den Kriegsjahren dann auch ausreichend Gelegenheit. Es waren in den Kriegsjahren bis zu 60 Frauen und Männer in Accum im Einsatz, die dann 1943 ein Löschfahrzeug der Marke Benz bekamen. Ausrücken musste man damit bis nach Bremen und nach Emden, um nach verheerenden Bombenangriffen zu helfen. Viel ist in diesen Jahren passiert, die Chronik der Feuerwehr kann Bände füllen.

Nach dem Krieg wurde es wieder ruhiger. Karl Harms sen übernahm die Leitung der Wehr wieder von Ferdinand Abken, und gab diese Aufgabe 1952 an Hermann Renken weiter, der 20 Jahre als Ortsbrandmeister in Accum fungierte und dann Hermann Janßen als Nachfolger einführen konnte. Gerhard Zunken übernahm die Aufgabee 1997 bis zu seiner Ernennung zum Stadtbrandmeister in Schortens. Seit dieser Zeit wird die Freiwillige Feuerwehr Accum von Karl Harms jun geleitet, der hier die Familientradition fortsetzt.

Der amtierende Ortsbrandmeister Karl Harms  jun hat vier Vorgänger, die das Bild in der Feuerwehr Accum wesentlich geprägt haben, es sind dieses in der Reihenfolge ihrer Amtszeit (von rechts) die Ortsbrandmeister Karl Harms sen, Hermann Renken, Hermann Janßen und Gerhard Zunken.      

Das erste Tanklöschfahrzeug gab es im Jahre 1962. Darüber freuten sich diese Wehrmänner H. Renken, R. Schlüter, H. Cassens, G. Grahlmann, H. Janßen, W. Janßen, H. Aihsen und A. Brouwer mit dem damaligen Gemeindebrandmeister der Gemeinde Sillenstede, Hugo Schwant (von links).
Repros: Noormann

Leichenträger regten den ersten Straßenbau an

Von der Ortsmitte bis zum Kirchenportale in Accum wurden 1650 Mark investiert

Von Martin Noormann

ACCUM. Die Totenträger regten vor gut hundert Jahren vermutlich den ersten kommunalen Straßenbau in der früheren Gemeinde Accum an. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Accum als einzigen befestigten Verkehrsweg die „Amtsverbandschaussee“ (etwa im Rang einer heutigen Kreisstraße) von Heidmühle nach Hölle, einem kleinen Wohnplatz vor Wilhelmshaven, wo diese Straße südlich von „Antonslust“auf die Straße von Fedderwarden in das heutige Wilhelmshaven traf. Die Straße entspricht weitgehend der heutigen Landesstraße von Heidmühle nach Wilhelmshaven. In der Gemeinde Accum gab es darüber hinaus nur unbefestigte Fahrwege und Fußwege, die nur zum Teil „besteint“, also gepflastert waren.
Dieses Missfiel im Jahre 1904 den Leichenträgern in Accum und sie wurden daher bei der politischen Gemeinde vorstellig, ein wohl fast einmaliger Vorgang. Am 11. Juli des gleichen Jahres notierte der damalige Gemeindevorsteher (Bürgermeister) von Accum in seinem Protokollbuch „Der Vorstand des Accumer Todtenträgervereins hat die Erhöhung bzw. Verbesserung des Weges von der Landstraße nach dem Kirchenportal hin beantragt“. Der Gemeinderat von Accum beschloß am gleichen Tag nach eingehender Beratung, sich mit dem „Chausseeaufseher“ Ahlers in Jever in Verbindung zu setzen „wegen des Kostenpunktes falls die Strecke gepflastert werden sollte“, so das Protokoll wörtlich.
Bereits vier Wochen später übermittelte Ratsherr Böök aus Antonslust das Ergebnis, die Pflasterung wurde 1375 Mark pro hundert Meter kosten, wobei von einer Länge von 130 Metern ausgegangen werden muss. Der Gemeinderat beschloss den Bau, wenn die Gemeinde eine entsprechende „Beihülfe“ aus der Amtskasse erhält. Der Beschluss musste nach den Regeln der damals gültigen „revidierten oldenburgischen Gemeindeordnung“ öffentlich ausgelegt werden. Die Bürger erhoben keinen Einwand und der Ausbau vom „Bley`schen Hause“ (heute Pokal-Center) bis zum Aufgang zur Kirche, also die Strecke der heutigen Memmhauser Straße, wurde vom Rat entgültig beschlossen. Die Gesamtkosten von 1650 Mark sollten durch ein Darlehen von der Oldenburgischen Spar- und Leihbank finanziert werden. Schließlich musste zu dem gesamten Vorhaben noch das „Großherzogliche Amt Jever um seine Zustimmung ersucht“ werden.
Von dort muss wohl eine positive Entscheidung gefallen sein, denn im November 1904 beschlossen die Accumer Ratsherren, in Steinhausen 30.000 Steine in Auftrag zu geben. Im Februar 1905 wurden die Aufträge für die Ausschachtung des Bettes und die Lieferung des Sandes „ausverdungen“ und dem Chausseearbeiter Post aus Heidmühle erhielt den Auftrag für die Pflasterung. Er hatte 75 Pfennig für den laufenden Meter gefordert. Unternehmer Jordan aus Moorsum wurde beauftragt, die Steine an die Baustelle nach „Schuster Oetkens Hause“ (heute Ecke Niederweg) zu trasportieren. Für zwei Aufträge wurden ihm jeweils sechs Mark vergütet. „Teuer“ war im Vergleich zu diesen Beträgen seinerzeit der Sand. Er musste mit 2 Mark pro Kubikmeter bezahlt werden. Über den wohl zügigen Baufortschritt gibt es keine Aufzeichnungen. Doch legte der Gemeinderat von Accum in seiner Sitzung am 22. März 1905 fest „sobald die Dorfchaussee fertig gestellt in dem Jeverschen Wochenblatte bekannt zu machen, dass das Ladegewicht eines Wagens nur 1500 Pfund betragen soll, welches die Chaussee passiert“. Es sollten also nur leichte Fuhrwerke die erste und neue Dorfstraße in Accum benutzen. Freigegeben wurde die Straße dann allerdings sehr schnell. Bereits in der Ausgabe vom 4. April 1905 erschien die entsprechende Bekanntmachung mit dem Text:

[Keine Beschreibung eingegeben]
„Nachdem die Chaussee im Dorfdorf Accum fertig gestellt, wird dieselbe hiermit dem Verkehr übergeben mit dem Bemerken, dass das Ladegewicht des betreffenden passierenden Gefährts vorläufig nur bis 1500 Pfund betragen darf.
Langewerth, 1905 April 1.  J. E. Schmeden“

Repro:Noormann


Der damalige Gemeindevorsteher Schmeden wie später auch sein Nachfolger hatten die Verwaltung der Gemeinde noch in ihren Privathäusern untergebracht. Sie waren jeweils im Ortsteil Langewerth ansässig, der bis 1934 zur politischen Gemeinde Accum gehörte.
Die neue Errungenschaft muss den Einwohnern in Accum wohl sehr gut gefallen haben. Bereits im Juli lagen die Wünsche der Anlieger an den Wegen von Accum nach Memmhausen und von Bungerei nach Mennhausen vor, die auch ihre Wege befestigt haben wollten. Hier setzten lange Beratungen ein. Mit zwei Wegstrecken in nördlicher Richtung und zwar von Accum- Mühle nach Edoburg und von Bungerei nach Mennhausen kam die Gemeinde Accum in den folgenden Jahren schnell zum Zuge. In südöstlicher Richtung von der Kirche nach Memmhausen gab es jedoch erhebliche Probleme. Mit den Anliegern war keine Einigung über Kostenbeteiligung zu erzielen. Wenn es auch die Begriffe „Erschließungskosten“ und „Anliegerbeiträge“ noch nicht gab, so ist der damit verbundene Griff in die Tasche der Mitbürger aber wahrlich keine Erfindung der „Neuzeit“. Vor hundert Jahren sprach man hier von der „Vorbelastung“ und genau diese wollten die Grundstücksanlieger an dem Wege nach Memmhausen nicht zahlen.

Der Ort Accum hat eine sehr bewegte Geschichte
Einst Hauptkirche der Herrlichkeit Kniphausen – heute aktiver Stadtteil von Schortens
Von Martin Noormann

ACCUM. Die Geschichte des Ortes Accum ist eng verbunden mit der Geschichte der alten Herrlichkeit von Inn- und Knyphausen und geprägt durch die Tatsache, daß Accum bis zum Jahre 1933 eine selbständige Gemeinde war. Somit gehört Accum nach seiner Geschichte im Gegensatz zu allen anderen Orten der heutigen Gemeinde Schortens nicht zum alten Gau Oestringen.
Um das Jahr 840 wird Accum erstmals in einer Kirchenchronik erwähnt. Bischof Ansgar von Bremen und Hamburg läßt die St.-Willehad-Kirche in Achem (acum oder Akem) erbauen. (Ac-hem bedeutet soviel wie Heim am Wasser). Am Wasser muß Accum in dieser Zeit gelegenhaben, in der Nähe des heutigen Wohnplatzes Pingelei soll es einen kleinen Hafen gegeben haben. Accum liegt auf dem östlichen Ende des Geestrückens, der sich von Ostfriesland verlaufend bis nach Accum und Pingelei erstreckt, so daß es hier durchaus eine Anlegestelle gegeben haben kann.
Um das Jahr 1340 zerstört Edo Wiemken der Ältere aus Jever die Glarenburg (Glarum) und tötet den Accumer Häuptling Wilmet Tannen. Er verschenkt Accum an seien Freund Popke Ihnen von Innhausen. Um das Jahr 1420 wird Accum in dieser Schreibweise erstmals urkundlich erwähnt. Einen bedeutenden Schritt gab es dann im Jahre 1494 als Fulf von Innhausen die Herrschaft Knyphausen erbt und die Accumer Kirche zu seiner Hofkirche erklärt. Damit wurde Accum eigentlich „Hauptstadt“ des kleinen selbständigen Staates.  Auch die Reformation ist an Accum nicht „vorbeigegangen“. Die reformierte Konfession wird im Jahre 1526 von Tido zu Knyphausen in seinem kleinen Ländchen eingeführt. Dieses währte jedoch nicht lange. Schon zwischen 1630 und 1640 wurde der reformierte Gottesdienst obrigkeitlich verboten, es wurden lutherische Pastoren in der Herrlichkeit Knyphausen eingesetzt. Die Accumer weigerten sich beharrlich und erhielten das Versprechen „Hauptkirche des Landes“ zu bleiben.
Im Jahre 1718 gibt der damalige Herrscher Anton von Aldenburg den Auftrag zum Bau einer neuen Kirche, da das bisherige Gotteshaus auf Grund des hohen Alters und nach Schäden durch die Weihnachtsflut (Sturmflut) baufällig geworden war. Dabei hat es sich noch um einen Bau aus Holz gehandelt. Der Grundstein für die jetzige Kirche wird am 25. April 1719 gelegt. Eine weitere deutliche Änderung im Ortsbild gab es dann 1744/6. In diesem Jahr wird die heute noch erhaltene Windmühle auf dem Wohnplatz Edoburg gebaut. Sie ist die zweite Mühle in Accum. Von der ersten Mühle ist nur noch bekannt, daß sie im Bereich Pingelei- Mühlenwarf etwa gegenüber der Gärtnerei Janssen ihren Standort gehabt haben soll. Um das Jahr 1800 gibt es in Accum neben der allgemeinen Volksschule eine Schütze für „Gemeinnützige Wissenschaften“.
Auswirkungen auf Accum hat ab 1804 die Entwicklung in Herrschaft Knyphausen. Sie wird zunächst ein souveräner Staat mit eigener Flagge und Währung und durchbricht die von Napoleon verhängte Blockade gegen England. Danach welchseln die Besitzer der Herrschaft mehrfach bis 1825. In diesem Jahr wird Knyphausen wieder souverän. Schließlich verkaufen die letzten Herrscher von Knyphausen die Herrlichkeit im Jahre 1854 an das Herzogtum Oldenburg. Damit fällt auch der Ort Accum in die allgemeine Zuständigkeit des Amtes Jever, die bisherigen knyphauer Gemeinden Sengwarden, Fedderwarden und Accum werden in das Jeverland eingegliedert. Unter der Herrschaft von Oldenburg entstand auch die Gemeinde Accum als Gemeinwesen in räumlicher Ausdehnung, die heute noch etwa dem Gebiet der Kirchengemeinde Accum entspricht. Die politische Gemeinde Accum wurde 1933 aufgelöst. Das Gemeindegebiet gehört heute überwiegend zur Stadt Wilhelmshaven.
Wirtschaftliche Impulse gab es im Ort 1872 durch den Bau der St.-Johanni-Brauerei, die dem Ort und der Gemeinde einen entsprechenden  wirtschaftlichen Wohlstand gab. Unterschiedlich und dünn sind die Informationen über das Schicksal dieses Betriebes, der 1910 oder 1917 geschlossen wurde. Die Gebäude wurden abgebrochen und das Material zum Bau von Wohnhäusern verwendet. Ihren Standort hatte das Brauhaus an der heutigen Wilhelmshavener Straße westlich der Einmündung der heutigen Flutstraße.

Gutes Wasser auf dem Accumer Berg
Bier wurde im Orte bis zum 1. Weltkrieg selber produziert - schwierige Verkehrswege

ACCUM/MX. Eine Brauerei wird auf alten Postkarten aus Accum aus dem Jahre 1905 gezeigt. Dabei handelt es sich um die früher bekannte Johanni-Brauerei zu Accum, berichtete der frühere Bürgermeister und Landrat Karl Harms im Jahre 1989 im Kreis der Accumer Zeitzeugen. Das Betriebsgebäude stand westlich der heutigen Flutstraße an ihrer Einmündung in die Wilhelmshavener Straße gegenüber der noch etwas besser bekannten Traditionsgaststätte Bley (später „Alter Krug“).
Im Jahre 1872 ist hier die „St.-Johanni-Brauerei“ in Accum errichtet worden, sie hat im Oktober die Produktion aufgenommen. Es war festgestellt worden, daß an dieser Stelle auf dem sogenannten „Accumer Berg“ sehr gutes Wasser zur Verfügung stand. Dieses war stets eine Grundvoraussetzung für eine Brauerei. Der Großvater von Karl Harms war damals der Besitzer genannter Flächen, die er seinem Schwager zum Bau der Brauerei käuflich überlassen hat. Danach wurde die Brauerei erbaut und der Betrieb aufgenommen. Bis in das Jahr 1916 wurde in Accum Bier produziert. Leider gibt es keine Überlieferungen von Details, so ist nicht bekannt, welche Biersorten in Accum gebraut wurden. Gefunden ist allerdings eine Anzeige der Brauerei in einer hiesigen Tageszeitung von 1892, in der ein köstliches Bockbier nach Münchener Art wie in den Vorjahren angeboten wurde.
Problematisch war in den ersten Jahren der An- und Abtransport von Waren und Gütern von und nach Accum auf dem Landwege. Befestigte Straßen in heutigen Sinne waren noch nicht gebaut. Die Brauerei wurde aus Hooksiel auf dem Wasserweg beliefert. Dazu hatte Accum einen kleinen Hafen, oder besser gesagt eine Anlegestelle, berichtete der Zeitzeuge weiter. Sie lag im Bereich des heutigen Industriestammgleises am Weg nach Grafschaft. Die kleinen Lieferboote befuhren das Tief von Hooksiel bis nach Spieker, einem kleinen Wohnplatz in der Altgemeinde Sillenstede. Nahe des Kirchdorfes der Altgemeinde gab es eine Abzweigung nach Accum. Das Tief war in diesen Jahren stets sehr gut unterhalten worden, so daß kleine Boote bis nach Accum fahren konnten. Der Weg wurde intensiv genutzt, da es keine anderen Möglichkeiten gab.
Später wurde die Landstraße von Heidmühle über Accum in Richtung Rüstringen und Wilhelmshaven gebaut. Danach wurden die Waren von Heidmühle, dort gab es bereits einen Bahnanschluß und in jenen Jahren auch eine Brauerei, angeliefert. Abgefüllt wurde das Bier in Holzfässer, die ebenfalls in Accum gefertigt wurden. Auf dem heutigen Grundstück Wilhelmshavener Straße 24 (Sies) befand sich damals die Böttcherei. Die Fässer wurden später noch in der Landwirtschaft verwendet, informierte dazu Zeitzeuge Gerd Gerdes, Landwirt aus Accum. Die großen Bierfässer waren für viele Zwecke zu verwenden und eigneten sich als „Regentonnen“ auch sehr gut. Oftmals an heißen Sommertagen nahmen die Kinder darin ein Bad.
Während des ersten Weltkrieges wurde der Betrieb eingestellt, nach dem Krieg wurde das Gebäude abgerissen. Aus dem Material wurden zwei Wohnhäuser gebaut, die heutigen Gebäude Wilhelmshavener Straße 14 und 16 (Gralmann und Schäfer).

[Keine Beschreibung eingegeben]

Bild:
Unser Bild zeigt die St. Johanni- Brauerei in Accum nach einer Zeichnung von Albert Brouwer etwa um das Jahr 1910.

Der Accumer Kirchturm vor über 100 Jahren erneuert
Der frühere Pastor Mecima Wübbena stiftete der Gemeinde eine neue Turmuhr
Von Martin Noormann

ACCUM/NW. Arge sorgen plagten die Kirchengemeinde Accum vor nunmehr über 100 Jahren. „Unser hübscher, zierlicher Kirchturm hat viel von seiner früheren Schönheit eingebüßt“ berichtet das Jeversche Wochenblatt am 14. Juni 1907 aus Accum. Im vorhergehenden Herbst 2006 mußte die äußerste Spitze bereits abgenommen werden, da der aus Holz erbaute Turm immer morscher wurde. Die Uhr ging zwar zu diesem Zeitpunkt noch „und schlägt auch leidlich die richtige Stundenzahl“ wurde dazu damals berichtet, aber die Zeiger bewegen sich nicht mehr.
Doch der Sache sollte abgeholfen werden. Die Mehrzahl der Mitglieder des Accumer Kirchenkollegiums war entschlossen, die Kirche mit einem neuen, dem alten Turme ähnlichen, zu versehen. Da „flatterte“ dem Kirchenkollegium in Accum überraschend ein Brief des früheren Accumer Pastors Mecima Wübbena und Frau auf den Tisch. Der frühere Seelsorger schrieb;
„In dankbarer Erinnerung an die vielen glücklichen Jahre, die wir und unsere Familie in der Gemeinde Accum verlebt haben, möchten wir für die dortige Kirche eine neue Turmuhr stiften und übersenden zu diesem Zwecke die Summe von 1000 (eintausend) Mark. Mit herzlichem Gott befohlen: Mecima Wübbena und Frau“
Pastor Ento Hamannus Mecima Wübbena war seit 1863 Hilfsprediger und nach seiner Ordination 1865 zweiter und dann erster Prediger in Accum. Er zog am 1. Mai 1904 nach Oldenburg, nachdem er über 40 Jahre als Seelsorger der Gemeinde Accum gewesen war. Er hatte die Aufgabe in Accum von seinem Schwiegervater, dem seinerzeit beliebten Pastoren August Philipp Mücke übernommen, der von 1805 bis 1882 in Accum tätig gewesen war.
Sein Brief und die für damalige Währungsverhältnisse stattliche Summe beflügelte die Verantwortlichen in der kleinen Gemeinde Accum. Zur Erneuerung des Turmes ging man ans Werk. Die Baustelle der Landwirtschaftskammer für die Provinz Hannover übernahm die Leitung des Bauvorhabens, der sich allerdings bis in das Jahr 1911 hinzog.
Mit dem Turmbau verbunden wurde die Anbringung der neuen Turmuhr. Sie trägt die Namen der Spender und wurde in den Tagen vom 3. bis 7. Mai 1909 angebracht. Ihr Gang versagte in der ersten Zeit mehrfach, doch der Übelstand wurde gehoben und ist heute Geschichte. Noch heute ist der schöne Turm ein Blickfang der auf hoher Warft stehenden und immer gerne gesehenen und fotografierten Kirche zu Accum.

[Keine Beschreibung eingegeben]
Foto:
Die schmucke Kirche auf hoher Warft in Accum zierte ein schöner Turm
mit einer Uhr, die ein früherer Seelsorger stiftete.