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Heidmühle

Heidmühle ist der jüngste Ort der Gemeinde Schortens
Schnelle Entwicklung zum Zentrum der Kommune – Das Rathaus seit Juli 1937 hier
Von Martin Noormann

Der jüngste Ort in der Gemeinde Schortens ist das Zentrum Heidmühle. Über viele Jahrhunderte lag zwischen den kleinen Kirchdörfern Schortens und Sillenstede eine weitere Heidelandschaft. Die wirtschaftliche Nutzung des kargen Sandbodens war im Vergleich zu anderen Gebieten der Gemeinde sehr gering, sie bot nur genügsamen Schafherden leidlich Nahrung.
Markiert wurde der Standort Heidmühle allerdings bereits im Jahre 1561. In diesem Jahr wurde die Mühle vom „Braunen Berge“ bei Papentun in der Nähe des Ortes Schoost in die weite Heide verlegt. Es war zu jener Zeit nicht die erklärte Absicht der Beteiligten, hier einen neuen Ort zu gründen. Hierauf wiesen 1986 auch mehrere Heimatfreunde hin, als Initiatoren ein 425jähriges Jubiläum des Ortsteils Heidmühle feiern wollen. Von dieser Idee wurde dann Abstand genommen. Vermutlich waren die Windverhältnisse in der weiten Heide besser wie bei Papentun im Schutz des Upjeverschen Forstes. Es blieb dann zunächst auch beim Bau der Mühle, eines Müllerhauses und der weiter erforderlichen Zweckgebäude. Der bekannte Heimatfreund Paul Bräuer stellte fest, daß zwischen 1841 und 1870 im Bereich Heidmühle nur ein Haus gebaut wurde und ihre Zahl damit auf insgesamt 14 Häuser stieg.
Die eigentliche „Geburtsstunde“ des Ortes  Heidmühle muß man in den Jahren 1870 und 1871 suchen. Das Großherzogtum Oldenburg halle sich entschieden, eine vierte Bahnstrecke von Sande nach Jever zu bauen. Nach langen Verhandlungen wurde der größere von zwei Bahnhöfen in der Gemeinde Schortens in der Nähe der Mühle in der Heide, bekannt als „Heidemühle“, errichtet und auch mit Heidmühle benannt. Am 15. Oktober 1871 wurde der Bahnverkehr aufgenommen. Dies hat die Entwicklung eines Ortes rund um die Heidemühle ausgelöst, der heute der bevölkerungsreichste Teil der Gemeinde Schortens ist. Dieses erfolgte in den ersten Jahren allerdings noch recht langsam. Noch die Volkszählung vom Dezember 1905 ergab in Heidmühle nur 257 Einwohner von inzwischen 2550 Einwohnern in der gesamten Gemeinde Schortens.
Auch in der Schulbauplanung der Gemeinde Schortens vor hundert Jahren spiegelt sich die nur langsame Bevölkerungsentwicklung in Heidmühle wieder. Etwa seit dem Mittelalter unterhielten alle Gemeinden in ihren Kirchdörfern eine zentrale Schule. Zum Ende des 19. Jahrhunderts begann das Bestreben, in allen größeren Ortsteilen Volksschulen zu unterhalten. So baute die Gemeinde Schortens zunächst 1888 eine Schule in Ostiem, 1905 in Oestringfelde und erst 1910 in Heidmühle am bekannten Platz an der jetzigen Heinrich-Tönjes-Straße (früher Schulweg). Zu dieser Zeit hatten sich die Bevölkerungszahlen im Gemeindekern deutlich gesteigert, denn schon 1913 wurde zur Entlastung von Schortens und Heidmühle in Jungfernbusch eine weitere Volksschule gebaut.

Viel schneller verlief die wirtschaftliche und gewerbliche Entwicklung in Heidmühle nach der Fertigstellung der Bahnlinie. Die Vorzüge der neuen und damals wichtigsten Verkehrsanbindung wurden schnell erkannt. Bereits drei Jahre später, also 1874 wurde im Bahnhof eine Postagentur für den Bereich der Gemeinde eingerichtet. Bis zum 1.Weltkrieg hatte sich entlang der Oldenburger Straße ein Zentrum mit Geschäften und Betrieben, Geschäften und Gaststätten entwickelt. Um das Jahr 1895 entstand das Gebäude der Aktienbrauerei (später „Verpflegungsamt) an der Jeverschen Straße. Die Brauerei war bis 1920 in Betrieb. Etwas abseits der heutigen Bebelstraße entstand um die Wende des Jahrhunderts ein Kalksandsteinwerk, welches bis zum Jahre 1914 produzierte. Geschäftsbauten entstanden im Nahbereich der Bahn und an der Ladestraße, die zu einem wichtigen Umschlagplatz für Brennstoff und landwirtschaftliche Erzeugnisse wurde.
In dieser Zeit entstanden auch neue Wohngebiete rund um den Ortskern von Heidmühle, der Ort vergrößerte sich in Richtung Klosterneuland und Feldhausen. Der früher für die landwirtschaftliche Nutzung nicht so reizvolle Boden erwies sich als ein idealer Baugrund. Die Erschließungen wurde bis in die heutige Zeit fortgesetzt und führten zum Zusammenwachsen der Orte Heidmühle und Schortens.


Endgültig zum neuen Zentrum der Gemeinde wurde der Ort dann im Jahre 1937. Die Gemeindeväter der inzwischen durch eine Gebietsreform vergrößerte Kommune beschlossen, den Verwaltungssitz von Schortens an der Menkestraße /Ecke Diekenweg nach Heidmühle an die Oldenburger Straße /Ecke Johann-Warner-Weg zu verlegen. Am 1. Juli 1937 wurde das neue Rathaus an seinem jetzigen Platz offiziell bezogen. Im Zuge der Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg gab es eine Konzentrierung des gewerblichen Lebens auf Heidmühle. Kleine und mittlere Geschäfte in allen Teilen der Gemeinde wurden geschlossen. Neue und recht große Einkaufsmärkte entstanden bis in die jüngste Neuzeit ausschließlich im Ortsteil Heidmühle, wo sich inzwischen auch das Schulwesen konzentriert hat.

Das Zentrum von Heidmühle um das Jahr 1950

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