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Historisches

Schortens - die Besiedelung in Oestringen bis ins Mittelalter


Übergang von der Geest zur Marsch wurde erst besiedelt – Heideflächen wertlos
Von Martin Noormann
SCHORTENS: Der Prähistoriker, Dr. K. H. Marschalleck schrieb: „Die Gründung jeder Siedlung, jedes Dorfes, jeder Stadt steht immer in ursächlichem Zusammenhang mit dem Gelände, der Beschaffenheit des Grund und Bodens und dem Klima. Wie Funde von Feuersteingeräten aus der weiteren Umgebung zeigen, haben schon die umherstreifenden Jägerhorden der älteren und  mittleren Steinzeit die Geest im Küstengebiet durchstreift, aber für die ersten seßhaften Bauern und Viehzüchter der jüngeren Steinzeit boten die unfruchtbaren Heideflächen keinen Anreiz zur Besiedelung.
Schon dieser kurze Ausschnitt aus der Siedlungsgeschichte läßt den Schluß zu, daß Der Marschrand und die Marsch selber, also Roffhausen und Abbickenhausen schon zur Zeit um Christi Geburt besiedelt waren oder wurden. Spuren von Menschen die im hiesigen Raum ab dem 5. Jahrhundert lebten, fanden sich bei Ausgrabungen an der heutigen Plaggestraße. Beim Bau eines Wohnhauses östlich des heutigen Friedhofs wurden im Jahr 1938 drei Urnen und als Beigabe zur Urnenbestattung ein eisernes Schwert gefunden. 1941 stieß man in der Nähe der Fundstelle auf ein Körpergrab Im Jahr 1957 wurden weitere 14 Gräber freigelegt. Die Grabungen in den Jahren 1973 bis 1975 zeigten, daß sich das Gräberfeld über eine Fläche von mehr als 6500 m2 erstreckte und daß es wahrscheinlich mehr als 1000 Bestattungen enthielt. Die ältesten stammten aus dem 5. Jahrhundert n. Chr., die jüngsten aus dem 12. Jahrhundert.
Fette Wiesen zur Marsch, Platz für Dorfäcker auf der Geest und nicht zuletzt brauchbares Trinkwasser in relativ geringer Tiefe führten zur Ansiedlung von Familienverbänden. Es entstanden die ersten Geestrandsiedlungen. Es ist vorstellbar, dass man in unserem Raum auskömmlich leben konnte, denn die durch Anstieg des Meeresspiegels zunehmenden Überflutungen richteten in Schortens zunächst keinen Schaden an. Auch die im beginnenden Mittelalter zunehmend höheren Überschwemmungen verursachten im Vergleich zur umliegenden Marsch nur geringe Schäden.
Früh ergab sich die Notwendigkeit überörtlicher Zusammenschlüsse, wenn Aufgaben die Bauernschaft überforderten. Das mag zum Schutz gegen Bedrohungen durch Naturgewalten öfter noch gegen gemeinsame äussere Feinde gewesen sein. Die Grenzen solcher Zusammenschlüsse wurden gebildet durch natürliche Gegebenheiten wie Wasserläufe, Leiden oder Moore. Zu den vorhandenen geographischen Natureinheiten kam es unter politischem Einfluß zur Bildung von Gauen. Die genannten Siedlungen lagen wie Schortens im Gau Östringen. Östringen wird im Jahr 787 erstmals als „Gau Asterga” in Geschichtsquellen erwähnt. Zentraler Ort des Gaues war Jever.
Die Aufgaben des Staates und seiner Herrscher erschöpften sich bis ins späte Mittelalter darin, den inneren und äusseren Frieden sicher zu stellen. Der innere Friede wurde durch die übergeordnete Gerichtsbarkeit erhalten, der äussere Friede durch den Heerbann, den jeder männliche Einwohner zumindest einer aus jeder Familie zu leisten hatte.
Zwischen den einzelnen, häufig von Angehörigen der gleichen Sippe bewohnten Höfen, wird es auch unterschiedlichste menschliche Beziehungen gegeben haben. In die Zeit um 1150 fällt auch ein, vermutlich von Mönchen des Klosters Östringfelde aufgezeichneter Bericht über eine Fehde, die zunächst zwischen den Angehörigen der Gaue Östringen und Wangerland entstand. Dieser Bericht, die sogenannte „Östringer Chronik” wurde im Original in lateinischer Sprache verfaßt und ging leider verloren. Bei dem Begräbnis eines reichen Wangerländers entspann sich zwischen zwei Jünglingen Hilderich aus Östringen und dem Wangerländer Reddewert, beim Spiel ein Streit. Es kam zu Tätlichkeiten und Reddewert erschlug den Hilderich. Nach altfriesischem Landrecht verlangten die Östringer das Wehrgeld (eine Art Sühnegeld) für den Erschlagenen. Die Wangerer aber weigerten sich nicht nur dieses zu zahlen, sondern erschlugen sogar noch acht der Östringer Abgeordneten. Da schritten die Östringer zu dem alten Recht der Blutrache. „Uth dißer Ursake sint de Östringers,” so ezählt in naiver Weise die obengenannte Chronik, „getagen (gezogen) in Wangerlandt mit Gewalt und hebben dat Land berouet (beraubt) und dar worden 55 dodt geslagen.”
Fünf Fürsten fielen später mit großer Kriegsmacht in Östringen ein. In dieser Situation hat die Östringer doch wohl der Mut verlassen. Sie riefen Gott um Hilfe an und gelobten in Fall eines Sieges zu Ehren der Jungfrau Maria und des heiligen Stephanus eine Kirche zu bauen. Die Schlacht fand am Tag vor Michaelis im Jahr 1149 auf dem „Schakelhaver Moor” statt. Die Östringer gewannen und hielten ihr Gelöbnis. 1153 ist das wahrscheinliche Jahr des Baubeginns oder der Fertigstellung der „St.-Stephanus- Kirche” zu Schortens.

Schortenser Siel

Einst reges Leben am Schortenser Siel möglich gewesen
Dann Standort für das Wirtshaus mit Erbpachtkruggerechtigkeit am Wespennest
Von Martin Noormann
SCHORTENS. Die Marsch südlich von Schortens ist ein interessantes Gebiet mit einer wechselvollen Geschichte. Mit diesem Bereich hat sich vor rund 70 Jahren auch der als Heimatforscher aktive Pastor Carl Woebcken aus Sillenstede intensiv beschäftigt. Südostlich des Ortes liegt eine Warf, die auf der v. Schrenckschen Karte von 1856 den Namen Junkernberg trägt und heute allgemein noch so genannt wird. In einer anderen Quelle wird sie auch Hohlenburg genannt. Hier hat ein Steinhaus gestanden, welches ein Hauptlingssitz war. Junker Folkolf zu Schortens könnte hier um das Jahr 1400 residiert haben, vermutet Carl Woebcken.
Das südlich von Schortens gelegene Silland, eigentlich „Sietland“ für flaches Land zu benenne, wurde von den Häuptlingen von Gödens regiert, blieb aber mit Schleepens und Loppelt stets im Kirchspiel Schortens. Bis in dieses Gebiet reichten in früheren Jahrhunderten die Ausläufer der Nordsee in Form der offenen Maade. Dabei war Loppelt im 14. Jahrhundert der wichtigste Hafenplatz der Oestringer. Bis hierher brachten die Seeschiffe ihre Güter.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Maade mündete das Upjeversche Tief, das auch den Namen „Stinktief“ trägt. Dieser Mündungsbereich war und ist auch der südlichste Punkt der Kirchengemeinde Schortens. Vermutlich war die Mündung in dieser Zeit durch das Schortenser Siel gesichert. Vermutlich übernahmen kleinere Boote in Loppelt die über See gekommenen Güter und brachten diese dann über Schortenser Siel das Stinktief hinauf bis an das Kirchdorf Schortens. Möglich ist auch, dass auf diesem Wege der rheinische Tuffstein die Kirchenbaustelle in Schortens erreicht hat. Die Entladestelle für Schortens könnte dann wohl in der Nähe des besagten Häutlingssitzes Junkernberg gelegen haben.
Heute bildet die Maade hier noch die Grenze zwischen den Gemeinden Schortens und Sande und das Stinktief die Grenze zwischen Schortens und Gödens und somit früher auch zwischen dem Herzogtum Oldenburg und dem Königreich Hannover. Die Stelle beim ehemaligen Schortenser Siel, an der beide Grenzen aufeinander trafen, war immer ein wichtiger Übergabe- und Verhandlungspunkt. Pastor Woebcken hält es nicht für ausgeschlossen, dass schon 1156 an dieser Stelle die Friedensgespräche zwischen Oestringen und Rüstringen nach einer viele Jahrzehnte dauernden Fehde mit vielen Opfern geführt wurden.
Nachdem die Maade im Zuge der Eindeichungen zu einem Binnengewässer und das Schortenser Siel überflüssig wurde blieb dieser Punkt im Zuge des Sillandweges ein wichtiger Grenzpunkt. Wie fast an allen ähnlichen Stellen stand auch ein diesem Punkt ein Wirtshaus, welches noch lange bis ins 20. Jahrhundert in Betrieb war. Auf das beträchtliche Alter dieses Gasthauses lässt auch eine Verkaufsanzeige vom 12. November 1918 schließen, in der ausdrücklich vermerkt wurde, dass die Besitzung „hart an der preußischen Grenze“ mit Erbpachtkruggerechtigkeit versehen ist. Dabei handelt es sich um ein sehr altes „Recht“ im Gaststättengewerbe, dessen Inhalt nicht genau übermittelt ist, wobei es sich jedoch mit Sicherheit um eine „Konzession“ von besonderem Rang im heutigen Sprachgebrauch handelt.
Heimatforscher Johann Eden weis in seinen Aufzeichnungen zu erzählen, dass die Wirtschaft an der Grenze früher auch das „Wachthaus“ genannt wurde. Auf dem Haus soll die Verpflichtung geruht haben, die Wache aufzunehmen. Im Erbregister von 1587 sind die Erben von Roffhausen und Middelsfähr verpflichtet, je einen Gulden „Wachtgeld“ zu zahlen. Die Gasthausstelle wurde inzwischen „Wespennest“ genannt und die „Brücke am Wespennest“ als Übergang über das Upjeversche Tief in die Herrlichkeit Gödens war gelegentlich ein Streitpunkt zwischen den Beteiligten, wenn es um die Unterhaltung ging. Die Kosten sollten der Kirchspielsgemeinde Schortens aufgebürdet werden.

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Katasterausschnitt
Schortenser Siel
Zeichnung:
Unsere Aufnahme zeigt einen Ausschnitt aus dem Kataster nach der Vermessung im April 1842 durch den Feldmesser Schilgen II. Das Gebiet der Gemeinde Schortens haben wir hellgrün und das Gebiet der Gemeinde Sande dunkelgrün unterlegt. Der Bereich der Herrlichkeit Gödens (Königsreich Hannover) ist gelb unterlegt. An der Schnittstelle dieser drei Bereiche ist das Schortenser Siel zu suchen, wo sich danach das Wachthaus und bis nach dem ersten Weltkrieg das Wirtshaus am Wespennest befand. Die schwarze Linie im oberen Teil markiert die Grenze zwischen den beiden Ortschaften Roffhausen und Groß-Ostiem.

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Verkaufsanzeige Wirtshaus
[Keine Beschreibung eingegeben]

Die Verkaufsanzeige für das Wirtshaus vom 12. November 1918 im Jeverschen Wochenblatt. Darin wird besonders auf die Erbpachtkruggerechtigkeit hingewiesen. Neue Eigentümer soll es ab 1920 gegeben haben, die den Gaststättenbetrieb dann allerdings einstellten.

Zeichnung und Repro: Martin Noormann

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