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Kloster

Das Kloster Oestringen war ein geistliches und geistiges Zentrum

Den Chorherren folgten Nonnen – Von Fräulein Maria erhalten und 1577 aufgehoben

Von Martin Noormann

Oestringen. Das frühere Kloster in Oestringfelde wird im Volksmund auch so genannt, es muß richtig Kloster Oestringen heißen. Ein vorhandenes Klostersiegel aus dem 16. Jahrhundert spricht in seiner lateinischen Umschrift von „Ostringia“ Erste Oestringer soll der heilige Willehad nach den Überlieferungen schon um das Jahr 785 im Barkeler Meer getauft haben, nachdem sie sich zum Christentum bekannt hatten. Damit die Gründung des Klosters zu verbinden, ist nicht viel mehr wie eine Vermutung, sie ist nicht zu belegen aber denkbar. Nach den Überlieferungen hat sich in diesem Bereich eine germanische Versammlungsstätte, das sogenannte „Heiligthum“ befunden. Üblich war es, an solchen Stellen oder in unmittelbarer Nähe christliche Einrichtungen zu gründen.
Die „Östringer Chronik“ berichtet von langen kriegerischen Auseinandersetzungen im 12. Jahrhundert. Nach dem Sieg von 1153 bauten die Oestringer die Stephanus-Kirche in Schortens. Die Zwistigkeiten, besonders mit den Nachbarn in Rüstringen, waren nicht beendet. In einem sehr erbitterten Kampf im Jahre 1176 wurden die Rüstringer dann bei Schakelhave geschlagen. Für den Fall des Sieges hatten die Oestringer gelobt, auf dem „wilden Felde, welches Oestringvelde genannt wird“ eine Kirche zu errichten. Die neue Kirche war mit einem Kloster verbunden, in dem eine nach den Regeln der Benediktiner lebende Vereinigung von Weltgeistlichen lebte. Historiker vermuten, daß man das Gelübde bis zum Jahre 1200 einlöst hatte.
Die ersten Bewohner des Klosters, auch „Chorherren“ genannt, zeichneten sich durch Gelehrsamkeit, Wissenschaft und Gerechtigkeit aus. Aus dem Jahre 1272 wird von einem großen Brandschaden berichtet, dem die Gebäude zum Opfer fielen. Um diese Zeit lebten nur noch fünf Priester im Kloster. Der Grundstein für den Turm zur neuen Klosterkirche soll im Jahre 1323 gelegt sein. Das Bauvorhaben geriet jedoch schnell ins Stocken. Die letzten Benediktiner starben an der Pest, die in ganz Friesland wütete und damals unheilbar war. Nach einem gewissen Leerstand zogen dann um das Jahr 1350 Ordensschwestern der Dominikaner aus dem Raum Norden im Kloster ein. Nach dem Brand von 1272 waren die Gebäude vermutlich nur in bescheidenem Maße wieder hergestellt worden sein, den es wird von „bauen“ berichtet und die Lande verpflichteten sich zur Beihilfe bei der Vollendung des Turmes und der Wehranlagen. Die Nonnen legten zwar keinen Wert darauf, aber die „Landschaften“ wollten dieses Kloster als ihre Festung für einen Notfall behalten. Deutlich über 200 Jahre haben die Nonnen hier in Oestringfelde gewirkt.
Von dem Kloster selbst gingen zu allen Zeiten geistliche, geistige und wirtschaftliche Impulse an das Umland aus. Es hatte in vielen Bereichen eine Vorbildfunktion. Dazu wurde geforscht und gelehrt. Das Kloster selbst kam dadurch zu wirtschaftlicher Blüte und hatte umfangreichen Grundbesitz nicht nur im Raum Oestringfelde, sondern in Schoost und Papentun sowie in Abbickenhausen aber auch in Schleepens und in Silland in der Herrlichkeit Gödens, die gegen Entrichtung von Zinsen, Weinkauf und Naturalrenten in Erbpacht vergeben waren.
In der Regierungszeit von Fräulein Maria von Jever (1500 bis 1575) setzte sich um das Jahr 1530 die Reformation im Jeverland durch. Katholische Prediger in Schortens werden bis 1525 genannt. Als erster evangelischer Prediger wird dort Jacob Drentwede ab dem Jahre 1538 aufgeführt. Fräulein Maria hat jedoch die Aufhebung des Klosters nicht genehmigt. Erst nach ihrem Tod im Jahre 1575 wurde das Kloster von neuen Landesherren, dem Oldenburger Graf Johann VII, im Jahre 1577 verstaatlicht. Unter Leitung eines protestantischen Prädikanten erhielten die Insassen lebenslängliches Wohnrecht. Dieses endet 1596 mit dem Tod von Schwester Hille, der letzten Nonne. Das Anwesen ist nun unbelasteter Besitz der Oldenburger Grafen. Danach begann der Abbruch und der Verfall der Baulichkeiten. Die Jeverländer wollten jedoch, daß der Turm der Klosterkirche erhalten bleibt. Er soll eine wichtige Orientierungsmarke für die Schiffahrt auf der Jade gewesen sein. Das Jeverland war an das Fürstenhaus Anhalt-Herbst gefallen. Von dort wurde um 1769 der Abbruch des Turmes verfügt. Geblieben sind nur wenige Reste des Turmfußes.

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Der Turm der Klosterkirche zu Oestringfelde

Er war nicht nur Glockenträger sondern auch als Landmarke und Seezeichen wichtig

Von Martin Noormann

Oestringfelde. Der Turm zur Kirche des ehemaligen Klosters zu Oestringfelde ist einerseits fester Bestandteil der alten Klosteranlage, hat darüber hinaus aber eine eigene besondere Geschichte. Damit beschäftigten sich in vielen Jahrzehnten bereits Heimatfreunde wie Paul Bräuer, Erhard Harms und viele andere. Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war der Turm das zweithöchste Gebäude im Raum zwischen der Ems und der Jade. Er hat in seinem Bestand das Kloster lange überdauert.
Mit dem Bau des Turmes wurde im Jahre 1323 begonnen. Darüber gibt es noch eine Nachricht die frei übersetzt lautet „Im August 1323 ist der erste Fundamentstein des Turmes gelegt unter Aufsicht von Ibo Iddana und Memme Herana und anderen zehn Männern, die zu dieser Arbeit bestimmt waren. Elf Tage später, am Himmelfahrtstag ist unter großer Beteiligung der Bevölkerung die offizielle Grundsteinlegung erfolgt. Dabei gab es viele Spenden in Silber und Gold“.  Die Bauzeit für den Turm ist nicht belegt. In einer Urkunde aus dem Jahre 1350 erklären die Geistlichen und Richter der Gaue Oestringen und Wangerland sich bereit, dafür zu sorgen, dass der Turm vollendet wird. Anlass für diese Zusage war die Übergabe des Klosters an den Orden der Dominikaner.
Der Turm stand auf einem quadratischen Grundriss von etwa 13 Metern Länge und war an die vorhandene Kirche angebaut worden. Der Eingang befand sich auf der Westseite des Turmes und war der einzige Zugang. Auf dieses Untergeschoss von etwa 9,50 Metern Höhe folgten fünf weitere Stockwerke mit einer Höhe von jeweils etwa 6,50 Metern. Die Mauern waren am Fuß etwa drei Meter und in der Höhe noch 1,80 Meter stark. Innerhalb dieser Mauern befand sich eine Treppe auf der südlichen Seite. Die Gesamthöhe des Bauwerks muss mindestens 42 Meter betragen haben, vermutlich durch ein Dach noch erheblich mehr.
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird der Turm noch die voller Höhe gehabt haben, denn in Urkunden wird mehrfach Beschwerde darüber geführt, dass der Turm von weltlichen Mächten missbraucht würde. Man forderte bereits im Jahre 1432 den Abbruch. Dieser Forderung ist man wohl teilweise nachgekommen. In Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert fehlt jeweils das obere Stockwerk. Details ergeben sich aus mehreren Zeichnungen und einer Bauaufnahme aus dem Jahre 1759. Auf einen Befehl des Zerbster Fürsten Friedrich August vergab die Kammer in Jever am 13. November 1769 den Auftrag zum Abbruch. Damit verschwand eine Landmarke und ein wichtiges Zeichen für die Seefahrer.
Der Fuß des Turmes blieb im Bauschutt erhalten. Er wurde in den Jahren 1842 und 1843 freigelegt und notdürftig ausgebessert. So ist der Turmfuß heute die letzte Erinnerung an das einst blühende Kloster in Oestringen.

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Bild :
Der Turm der Klosterkirche in Oestringfelde nach einer Rekonstruktion von
Paul Bräuer aus dem Jahre 1958. Das Bild zeigt den Turm in der Frontansicht
von Westen nach dem Jahre 1432.                            Repro: Noormann