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Klosterpark und Wolfsgalgen

Die Klosterfrauen waren nicht im Park
Der Klosterpark ist ein wertvoller Landschaftsgarten
Keine Verbindung zum Kloster – erst ab 1842 von Hofgärtner Julius Bosse angelegt
Von Martin Noormann
SCHORTENS. In der Stadt Schortens sind das Kloster Oestringen und der bekannte Klosterpark im Stadtbezirk Oestringfelde jetzt verstärkt in das öffentliche Interesse gerückt. Dabei wird nach einer Verbindung zwischen beiden Themen gesucht, die es aber eigentlich nicht gibt. Nur der gemeinsame Standort ist gegeben. Der Klosterpark liegt auf einem sehr geschichtsträchtigen Gelände. An gleicher Stelle stand einst das Kloster Oestringen, welches dem Park seinen Namen gab. Mit dem Kloster steht der Park jedoch in keiner Verbindung. Beide Dinge gehören in völlig unterschiedliche Zeitepochen und die Klosterfrauen, die einst in Oestringfelde wirkten, haben den Park nicht gesehen. Vielmehr liegt eine Zeitdifferenz von rund 250 Jahren zwischen den beiden Epochen.
Die Anfänge des Klosters sind nicht ganz eindeutig. Eine kriegerische Begegnung 1176 bei Schakelhave soll den Oestringern einen Sieg über die Rüstringer gebracht haben. Die Oestringer gelobten, ein Kloster zu errichten. Historiker vermuten, dass dieses Gelöbnis bis zum Jahre 1200 in Oestringfelde in der Nähe des „Heiligtums“, einer alten heidnischen Stätte, eingelöst wurde. Die ersten Bewohner sollen Mönche aus dem Orden der Benediktiner, auch „Chorherren genannt“ gewesen sin. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verbreitete sich die Pest in Oestringen und auch viele Chorherren starben an dieser unheilbaren Krankheit, daher wurde das Kloster aufgegeben. Um das Jahr 1350 zogen dann Ordensschwestern der Dominikaner in Oestringfelde ein. Sie wirkten hier bis zur Reformation, die sich in der Zeit von Maria von Jever etwa um das Jahr 1530 im Jeverland durchgesetzte. Das Kloster blieb in der Regierungszeit von Fräulein Maria zunächst unangetastet. 
Nachdem sich die Reformation weitgehend durchgesetzt hatte, begannen 1556 die Verhandlungen über die Auflösung. Unter einem protestantischen Prädikanten blieb die Anlage zunächst erhalten und die Klosterfrauen erhielten ein lebenslängliches Wohnrecht. Nach dem Übergang der Herrlichkeit Jever an das Grafenhaus von  Oldenburg im Jahre 1575 änderte sich die Situation. Der letzte Prädikant übergab das Kloster bereits im Jahre 1577 an den Grafen Johann von Oldenburg. Nach dem Tod der letzten Nonne Hille Engelken im Jahre 1596 endete die Geschichte des Klosters endgültig.
Ab 1609 begann der Abbruch der Anlagen, der sich fast zwei Jahrhunderte hinzog. Die Steine und sonst noch verwendbares Material wurden für andere Maßnahmen fortgeschafft und hier war man recht gründlich. Lediglich der Fuß vom Turm der Klosterkirche blieb unter den Schuttbergen verborgen. Das Klostergut und das gesamte Gelände wurde vom Grafenhaus Oldenburg genutzt und zwar durch Verpachtung zum landwirtschaftlichen Betrieb. Hofrat Heinrich Georg Ehrentraut aus Jever (1798-1866) erwarb schließlich das gesamte Klostergrundstück im Jahre 1839. Der neue Besitzer ließ ab 1842 den Fuß des Turmes aus dem Bauschutt freilegen und notdürftig ausbessern, mehr war von ehemaligen Kloster nicht mehr vorhanden.. Unter seiner Regie begann im gleichen Jahr, also etwa 250 Jahre nach Ende der Klostergeschichte die Anlegung des Klosterparks, so dass es zwischen Kloster und Park eigentlich nur eine namentliche Verbindung gibt. Im sogenannten Mittelalter war das Gelände allenfalls ein mehr schlecht als recht aufgeräumter Steinbruch.
Gartenarchitekt Dr. Eberhard Pühl hat sich in den Jahren 1989/1993 eingehend mit der Geschichte des Parks beschäftigt. Er geht davon aus, dass bereits vor 1839 ein kleiner Park bestanden hat. Die noch heute ablesbare Konzeption entstand jedoch ab 1839 unter dem neuen Eigentümer. Mit der Planung betraute er den bekannten Oldenburger Hofgärtner Julius Bosse (1788-1864), der auf diesem Gebiet versiert war und „einen Namen hatte“. Nach dessen Plänen wurde innerhalb der Klostergraft, einem breiten Graben mit Wall, die das kreisförmige etwa neun Hektar große Areal einfasst, der noch weitgehend erhaltenen Park anlegen. Die gartenkünstlerische Gestaltung geht insgesamt auf Hofgärtner Julius Bosse zurück. Im Mittelpunkt des Landschaftsgartens blieb die Ruine des abgetragenen Kirchturms als „Altertum“ erhalten. Die übrigen Reste der einstigen Klostergebäude befinden sich vermutlich unter den angelegten Hügeln.
Die ursprüngliche Gestaltung der Parkanlage ist noch erkennbar. Rasenpartien, von alten Baumpflanzungen eingerahmt, bilden eine Raumfolge. Einzelne Bäume, auch eine erhöht gepflanzte Linde, deren Äste bis auf den Rasen herunterreichen, bilden eigene Motive. Sie markieren zugleich die ursprüngliche Bodenmodellierung. Die bewahrte historische Wegeführung ist bemerkenswert. Das charakteristische Merkmal ist die unterhalb der Rasenoberfläche liegende Wegtrasse. Hierdurch wird erreicht, dass dem Betrachter beim Blick über den Rasen diese durchschneidende Wege unsichtbar bleiben.
Ein typisches Kennzeichen der klassizistischen Landschaftsgartengestaltung ist an der östlichen Parkgrenze erlebbar, die angrenzenden Viehweiden sind sichtmäßig bewusst einbezogen, so dass der Park durch diese Ausblicke, die überwiegend heute zugewachsen sind, umfangreicher erscheint, als er in Wirklichkeit ist. In diesem Bereich steht der markanteste Baum, eine mächtige mehrhundertjährige Eibe, deren Krone einen Durchmesser von 15 Metern besitzt. Dieses Exemplar zählt wie ein zweites am Gutshaus zu den bemerkenswertesten in Deutschland.
Die Parkanlage stellt den umfangreichsten bürgerlichen Landschaftsgarten zwischen Weser und Ems aus dem Klassizismus dar. Der Park wurde von den Erben des Heinrich Ehrentraut im Jahre 1920 an die politische Gemeinde Schortens verkauft und steht seit dieser Zeit der Allgemeinheit zur Verfügung. Schon vorher, im Jahre 1881, wurde unter großer Beteiligung hier ein Missionsfest gefeiert. Diese Feste, aber auch andere Veranstaltungen, fanden hier später mehrfach statt. Als Gaststätte verpachtete die Gemeinde das ehemalige Gutshaus, als „Steinhaus“ in Schortens bekannt. Der früher aktive Gastwirt Heinrich Placke führte diesen Betrieb  der dann als „Plackes Hotel“ bekannt wurde. Er erschloss dazu auch den Park mit einer „Kaffeeküche“ und richtete einen kleinen Zoo ein. Die geänderte politische Situation brachte dann zwischen 1933 und 1935 eine Änderung. Die Verpachtung wurde aufgehoben und der Reichsarbeitsdienst nutzte das Anwesen. In das Gutshaus zog der Frauenarbeitsdienst ein. Baracken wurden aufgestellt.
Nach dem Kriege diente das Gebäude zunächst als Wohnhaus und beherbergt seit etlichen Jahren bereits das Regionale Umweltzentrum. Der Klosterpark ist dagegen weiterhin eine öffentliche Parkanlage der Kommune. Eine nachlassende Pflege in Teilbereichen nach 1945 und Windbruchschäden lassen eine Restaurierung sehr empfehlenswert erscheinen, hatte Eberhard Pühl der Stadt vor etwa zehn Jahren bereits gesagt. Hier liegt eine wichtige und interessante Aufgabe für die Zukunft.

Die Gemeinde Schortens kauft den Klostergarten von Gutsbesitzer Ehrentraut zum 2. Januar 1920 für einen Kaufpreis von 120.000 Mark, gibt Gemeindevorsteher Georg Gerdes in einer amtlichen Bekanntmachung im Wochenblatt am 7. Oktober 1919 zur Kenntnis. Dieser Ratsbeschluss fand weitgehende Zustimmung, wurde damit doch das beliebte Naherholungsziel für die Bürger zugänglich..

Eine recht gepflegte Garten- und Parkanlage übernahm damit die Gemeinde von den Vorbesitzern. Der Park wurde dann von Mitarbeitern der Gemeinde gepflegt. Über viele Jahre war dazu eigens ein Parkwärter im Einsatz, der auch im Bereich des Parks wohnte. Die Aufnahme zeigt einen Blick in den Park etwa um 1980 Jahre.
Repros: Martin Noormann

 

Wolfsgalgen und Güstkinnelbeer seit 75 Jahren
Erinnerungen an den angeblich letzten Wolf in Oestringen im Jahre 1738 wachhalten
Von Martin Noormann (Stadtarchiv Schortens)

SCHORTENS. Der Tag der Aufstellung des Wolfsgalgens auf dem Platz an der Ecke Klosterweg /Ginsterweg in Schortens und die Feier des ersten Güstkinnelbeer jähren sich heute, Dienstag, zum 75. Male. Der Eichenbaum mit der Gedenktafel davor findet an der viel befahrenen Verkehrsstraße wenig Beachtung. Er erinnert an ein Ereignis in diesem Bereich, welches inzwischen fast 270 Jahre zurückliegt. Nur wenige Quellen berichten über den geschichtlichen Hintergrund.
Grundlegend anders sah das Gesicht der Landschaft früher aus. Bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts dehnten sich zwischen den beiden Kirchdörfern Schortens und Sillenstede sowie der Stadt Jever weite Heide- und Moorflächen aus. Dieses Kerngebiet des Bereichs Oestringen war nur sehr dünn besiedelt. Die dürren Heideflächen, die der Bauung von Heidmühle und Grafschaft zugeführt wurden, gaben Schafherden nur sehr spärliche Nahrung. Das teilweise unwegsame Moor bot auch sehr wenig wirtschaftliche Grundlagen. Für die hier lebenden Menschen war die Schafzucht jedoch eine wichtige Nahrungsgrundlage. Leider kamen sie nicht immer in den Genuß ihrer Mühe. Der Wolf als gefürchtetes Raubtier trat noch vereinzelt auf. Der Kampf gegen den Wolf war somit für die Menschen ein Schutz der Lebensgrundlage. In welcher Form sich die Einwohner von Oestringen wehrten, ist nicht überliefert, doch darf angenommen werden, daß sie ihre Herden rund um die Uhr schützen oder in die Stallungen bringen mußten  Dieses galt auch für die Bewohner des Klosterhofes zu Oestringfelde. Hier war um 1738 der fürstliche Wildschützer Hans Richter wohnhaft, dem sein Sohn Anton als „Adjunkt“ (Vertreter) zur Seite stand. Jener Anton Richter hörte in der hellen Mondnacht vom 19. auf den 20. November dieses Jahres das Geheul eines den Forst Upjever und auch die umliegenden Ländereien unsicher machenden Wolfes. Mit dem Gewehr in der Hand trat er zur Hintertür heraus und sah den Wolf nicht weit vom Klostergut stehen. Ein gezielter Schuss brachte den Wolf zur Strecke, der dann zur Besichtigung am Ast einer kräftigen Eiche am Wege von Schortens nach Jever, dem heutigen Klosterweg, aufgehängt wurde.
In der Folgezeit gab es gelegentlich Zweifel, ob es sich in der Tat um einen Wolf oder aber um einen großen Hund gehandelt hat. Auf jeden Fall wird von Wölfen in Oestringen in der Folgezeit nicht mehr berichtet. In anderen Bezirken unserer Region trat der Wolf gelegentlich noch auf. So schreibt die Gesichte auch ausdrücklich vom letzten Wolf in Oestringen. Der von Richter genutzte Eichenbaum wurde daraufhin auf der Heide zu einer Landmarke und im Volksmund „Wolfsgalgen“ genannt. Anerkannt wurde die umsichtige Tat von Hermann Anton Richter von der Anhalt-Zerbster Kammer in Jever, die Richter die Anerkennung des Fürsten aussprach und eine Prämie von vier Talern auszahlte. Die Unterlagen darüber sind noch vorhanden.
Noch Jahrzehnte hat die knorrige Eiche in der Heide gestanden. Der „Galgen“ wird noch 1796 von Magister Braunsdorf in den gesammelten geographischen Beschreibung der Herrschaft Jever erwähnt ist aber um das Jahr 1800 abgestorben und danach verfallen. Zum Gedächtnis wurde ein neuer Galgen aufgestellt und später noch einmal ersetzt, der dann bis 1908 gestanden hat, wie sich vor Jahren ältere Einwohner aus Schortens noch erinnerten und wurde dann vergessen. Das Gelände wurde einer anderen Nutzung zugeführt.
1931 griffen die „Freunde des Altertums“ in Schortens die Sache auf. Auf Initiative ihres rührigen Leiters, dem Bahninspektor Karl Bock, wurde 1931 am Jahrestag der Tat der vierte Galgen errichtet und eine Erinnerungstafel an einem Findling angebracht. Dieses liegt heute 75 Jahre zurück. Am gleichen Tag wurde von den Freunden des Altertums in Schortens aus diesem Anlass das erste Güstkinnelbeer in der Gaststätte „Grüner Wald“ in Oestringfelde gefeiert. Der Galgen wurde 1977 auf Anregung der Heimatfreunde erneuert. Am 30. August 1998 wurde von der Gemeinde und dem Heimatverein aus Schortens der nunmehr sechste Galgen im Rahmen einer würdigen Festveranstaltung aufgerichtet.

Der Wolfsgalgen am Ginsterweg/Klosterweg
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Das Gedicht vom Wolfsgalgen 

Ein sehr schönes Gedicht über den Wolfsgalgen verfasste der 
Hauptlehrer und Organist Dietrich Schütte, der von 1868 bis 1879
auch als Pädagoge im Jeverland gewirkt hat
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