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Middelsfähr

Mit der „middelsten“ Fähre den Grenzfluß Maade überquert
Am Grenzübergang zwischen Oestringen und Rüstringen entwickelte sich ein kleiner Ort
Von Martin Noormann

MIDDELSFÄHR. Die Ortschaft Middelsfähr hat in der Entstehungsgeschichte Parallelen zu manchen größeren Orten und Städten. Der Übergang eines Verkehrsweges über einen Wasserlauf war vielfach ein gefragter Platz für Ansiedlungen. So entstanden viele Orte an Furten und Brücken. Im norddeutschen Raum trat an deren Stelle vielfach die Fähre.
Soweit sich die Geschichte zurückverfolgen läßt war die Maade schon in den Anfängen der Besiedlung im hiesigen Raum der Grenzfluß zwischen den bekannten friesischen Gauen Rüstringen (heute Wilhelmshaven) und Oestringen (heute Schortens und das weitere südliche Jeverland) und ist es auch bis zum heutigen Tage geblieben. Zur Überquerung dieses Flußlaufes wurden vermutlich drei Fähren betrieben und davon eine im Bereich des heutigen Middelsfähr. Diese muß die „middelste“ der drei Fähren gewesen sein, denn weitere sind flußabwärts bei Schaar und flußaufwärts bei Sande bekannt.
Dabei kann die Maade nicht immer ein sehr breiter Strom gewesen sein, den die Oestringer Chronik berichtet, daß die Vertreter der verfeindeten Gaue Oestringen und Rüstringen im Jahre 1178 Friedensverhandlungen über den Fluß hinweg geführt haben. Während in alten Urkunden der Name des benachbarten Roffhausen mehrfach auftaucht, findet man den Begriff Middelsfähr seltener. Dieses dürfte darin begründet sein, daß Middelsfähr in früheren Jahrhunderten zur Bauernschaft Roffhausen gehörig betrachtet wurde und mehr oder weniger eine Flurbezeichnung in der Nähe der Maade war. Die optische Trennung der Ortsteile erfolgte erst durch den Bau der Reichsstraße von Oldenburg nach Wilhelmshaven kurz vor dem zweiten Weltkrieg.
Die Anfangsentwicklung zum heutigen Middelsfähr muß wohl entlang der Maade im Bereich der heutigen Lindenstraße und den Straßen „An der Maade“ und „Auf dem Deich“ gesucht werden. Der weitere Bereich bis zur heutigen Bundesstraße wurde erst im Laufe dieses Jahrhunderts dichter besiedelt und gehörte bis dahin zum Bereich des landwirtschaftlichen Betriebes „Hinkerei“. Die Volkszahlung des Großherzogtums Oldenburg vom 11. Dezember 1905 ermittelte für die „Ortschaft Middelsfähr in der Bauernschaft Roffhausen“ ganze 59 Einwohner in 16 Haushalten. Sie wohnten in neun Wohnhäusern, davon bildeten je ein Haus die Wohnplätze „Hinkerei“ und „Accumersiel“.
Allerdings läßt sich aus dem Jahre 1680 bereits eine Schule in Middelsfähr nachweisen, die eine Vorgängerin der Schule Roffhausen ist. Die Schortenser Kirchenchronik berichtet aus diesem Jahr, daß der Schortenser Organist seine vorgesetzte Behörde gebeten hat, der Lehrer der Nebenschule Middelsfähr möge ihm doch jeden Sonntag seine „Schulknaben auff den cor (Chor) zur Hülffe senden“, jedenfalls um die dort aufgestellte Sängerschar der Schortenser Kirchspielsschule zu verstärken. Wenn auch der Schülerkreis in der Schule in Middelsfähr nur sehr klein gewesen sein kann, so wird die beträchtliche Entfernung nach Schortens die Aufrechterhaltung dieser Schule wohl rechtfertigt haben.
Durch die Grenzziehung entlang der Maade war Middelsfähr stets ein Ortsteil der Gemeinde Schortens und wurde mit dieser im Jahre 1933 in die Großgemeinde Oestringen eingegliedert. Bei der Rückgliederung am 1. April 1948 wurde Middelsfähr jedoch der wieder entstandenen Gemeinde Sande zugeschlagen. Dieses fand nicht die Zustimmung der Einwohner von Middelsfähr. Schließlich gab es eine Abstimmung der Bürger. Nach deren Ergebnis wurde Middelsfähr am 1. Oktober 1951 wieder in die Gemeinde Schortens eingegliedert. In den Folgejahren haben sich die Middelsfährer gemeinsam mit den Nachbarn aus Roffhausen mit Erfolg gegen neuerliche Änderungen der Grenzziehung gewehrt.

Der Hurrelberg gehört zum Kirchspiel Schortens
Eine „Enklave“ der Oestringer auf dem Gebiet von Neuende im Bezirk Rüstringen
Von Martin Noormann

MIDDELSFÄHR. Die Maade als „Grenzfluß“ zwischen den alten Gauen Oestringen und Rüstringen rückte im Jahre 2005 beim Fährfest in Middelsfähr und Roffhausen verstärkt in den Blickpunkt. Dieser Grenzfluß ist heute fast unbemerkt im Zuge der Hauptstraße von Middelsfähr nach Accumersiel zu überqueren. Vor Jahrhunderten verkehrte hier die „middelste Fähre“, die auch dem Ort Middelsfähr ihren Namen gab. Die Anlegestelle in Roffhausen auf Oestringer Seite soll sich unterhalb der früheren Burg befunden haben, während die Anlegestelle auf Rüstringer Seite sich in der Nähe der heutigen Gaststätte „Lindenhof“  im sogenannten „Geskgatt“ befunden hat, dessen genaue Lage wohl nur noch schwer zu ermitteln sein wird.
Dabei fällt der Blick auf die südwestlich an das Grundstück des Lindenhofes liegende Parzelle mit dem Namen „Hurrelberg“, die eine besondere Geschichte hat. Im Jahre 1842 ließ das Großherzogtum Oldenburg eine Landaufnahme vornehmen. Darunter ist die Schaffung von Katasterunterlagen zu verstehen. Die Aufnahme in der „Flur XXIV“ von Middelsfähr wurde vom 1. bis 7. Mai 1842 von dem Condudeur Fimmen und dem Feldmesser Schilgen II vorgenommen. Kartiert wurde das Ergebnis danach vom Feldmesser Schilgen I, der das Ergebnis peinlich genau aufzeichnete.
An dieser Stelle verlief zu jener Zeit nicht nur die Grenze zwischen Oestringen und Rüstringen, hier war auch die Grenze zwischen den Gemeinden Schortens und Neuende. In den Katasterunterlagen ist festgehalten, dass die Parzelle Hurrelberg zum „Kirchspiel Schortens“ gehört, sich hier also ein „Brückenkopf“ der Oestringer auf dem Gebiet von Rüstringen befand. Diese Grenze war einige Jahre später wohl nochmals ein Streitpunkt zwischen beiden Gemeinden, denn am 10. Februar 1857 notierte der damalige Gemeindevorsteher Dudde Ammen Eilks in seinem Protokoll „Es wurde dem Gemeinderath eine Entscheidung der Großherzoglichen Regierung vorgelegt, wonach in Betreff der Grenze zwischen Neuende und Schortens der sog „Hurrelberg“ als zum bezirk der Gemeinde Schortens gehörend wie bisher auch angesehen werden soll. Etwas wage, aber nicht auszuschließen ist die Vermutung, dass sich diese „Enklave“ der Oestringer auf Rüstringer Gebiet durch das Recht zur Anlegung mit der mittleren Fähre entwickelt hat.

[Keine Beschreibung eingegeben]
Bild:
Unsere Aufnahme zeigt einen Ausschnitt aus der Karte der Landesaufnahme von 1842 mit dem Hauptweg von Schortens nach Neuende, heute Hauptstraße im Ort (rechts oben) und den Weg zum Wohnplatz Middelsfähr, heute Straße „Auf dem Deich“ (rot markiert) und die geringe Bebauung und blau eingezeichnet den Verlauf der Maade mit dem genannten Flurstück Hurrelberg (grün umrandet) auf der zu Rüstringen gehörenden Seite des Maadeverlaufs und südlich einen Teilbereich der angrenzenden Gemeinde Sande.                     Repro: Noormann