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Ostiem

Die Volksschule in Ostiem von 1888 bis 1957
Zweiklassige Volksschulen mit Unter- und Oberstufe waren früher der Normalfall

OSTIEM. Die Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde Schortens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte auch entsprechende Schülerzahlen für die alte Kirchspielsschule im Kirchdorf Schortens. Die Kinder aus den entfernter liegenden Wohnplätzen hatten dabei seit jeher einen weiten und beschwerlichen Schulweg zu bewältigen. So reifte die Entscheidung keine Erweiterung der bisherigen Schule vorzunehmen, sondern einen zweiten Schulstandort im Gemeindekern zu suchen. Die Wahl entfiel entsprechend der damaligen Bevölkerungszahl auf die Ortschaft Ostiem.

Hier entstand im Jahre 1888 eine zweiklassige Volksschule, die bis zum Jahre 1957 in dem heute noch vorhandenen Gebäude am Theilenweg untergebracht war. Der Zug zu größeren Einheiten mit Jahrgangsklassen brachte 1957 die Zusammenlegung der Schulen Ostiem und Schortens in einem neuen Gebäude an der Plaggestraße genau auf der „Grenze“ zwischen beiden Ortschaften.

In der Volksschule Ostiem haben in zeitlicher Reihenfolge die Hauptlehrer Bredehorn sen, Peters, Imhoff sen, Bredehorn jun., Wübbenhorst und Mönnich gewirkt. Genaue Aufzeichnungen über die alte Schule aus den ersten Jahren sind sehr rar.
Das gesamte Schulwesen lag in früheren Jahrhunderten in der Regie der Kirche und war nach Konfessionen gegliedert. Es bestanden Schulachten (Schulbezirke), denen alle Einwohner entsprechender Konfession angehörten und die vom Schuljuraten verwaltet wurde. Die Aufsicht führte der jeweilige Pfarrer. Das bei der Bildung der Schule Ostiem geltende Schulgesetz wurde 1910 grundlegend geändert. Mit der ab diesem Zeitpunkt geltenden neuen Landgemeindeordnung für das Herzogtum Oldenburg ging die Schulverwaltung auf die Kommunen über. Ein Schulvorstand für die Gemeinde und eine „Schulcommission“ für jeden Schulbezirk zu wählen. Dem ersten Schulvorstand in der Gemeinde Schortens gehörte aus Ostiem der Schmied H. Duden an. Die Schulkommission Ostiem bestand aus dem Zimmermann H. Eilts, Groß-Ostiem, dem Arbeiter H. Richter, Groß-Ostiem und dem Arbeiter P. Friedrichs, Barkel. In der Schule wurden zu diesem Zeitpunkt 112 Kinder in zwei Klassen unterrichtet. Der in diesem Jahr noch tätige Hauptlehrer Bredehorn bezog ein Gehalt von jährlich 3170 Mark. Für die zweite Klasse stand ihm Lehrerin Becker mit einem Jahresgehalt von 1200 Mark zur Seite.

Gewerbegebiet 3 Ostiem seit 1998 in der Planung
110.000 Quadratmeter Gewerbeflächen liegen 800 Meter von der Autobahn entfernt

OSTIEM. Mit der Planung des neuen Gewerbegebietes Ostiem wurde im Jahre 1998 begonnen. Zu dieser Zeit gab es eine große Nachfrage nach großen gewerblichen Bauflächen im Nahbereich von Schortens- Heidmühle. So fiel die Entscheidung in Ostiem entlang der Eisenbahn ein Gebiet zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt waren die wirtschaftlichen Daten vertrauensbildend, der Haushalt der Gemeinde Schortens wies einen erfreulichen Überschuss aus und die wirtschaftlichen Bedingungen in der Bundesrepublik waren sehr positiv, stellte der damalige Gemeindedirektor Wolfgang Schmitz fünf Jahre später bei der offiziellen Einweihung am 23. Juli 2003 heraus.

Der Bebauungsplan wurde im Jahre 2001 rechtskräftig. Mit dem Grunderwerb für den ersten Teilabschnitt hatte die Gemeinde bereits im Jahre 2000 begonnen. Zum Zeitpunkt der Einweihung standen Flächen von insgesamt 22 Hektar im Eigentum der Gemeinde. Durch glückliche Umstände gelang es nach guter Vorarbeit durch den Landkreis Friesland und zwar durch Oberkreisdirektor Dr. Lothar Knippert in enger Zusammenarbeit mit Holger Ansmann vom Technologiezentrum in Roffhausen, für dieses Projekt Gewerbe-Ansiedlungs-Mittel einzuwerben. Im Dezember 2001 wurde der Gesellschaft zur Förderung der Ansiedlung von Unternehmen im Landkreis Friesland (GzF) ein Bewilligungsbescheid über 1.020.000 Euro zugestellt. Damit waren die Grundlagen für eine wirtschaftliche Erschließung geschaffen und die Gemeinde hat der GzF die Bauträgerschaft für dieses Projekt übertragen. Zugleich erklärte sich der Landkreis Friesland bereit, Eigenmittel von 460.000 Euro in dieses Projekt einzubringen. Die Mittel sollten bis zum 1. Juli 2003 verwendet werden, der Termin wurde eingehalten.

Im Februar 2002 wurde mit dem 1. Bauabschnitt begonnen, der 2. Bauabschnitt schloss sich ein Jahr später an, so dass mit Grunderwerbskosten von 965.000 Euro und Baukosten von zwei Millionen Euro das Gebiet komplett erschlossen wurde. Es standen 110.000 Quadratmeter Flächen für gewerbliche Bauten zur Verfügung, die durch eine Straße von einem Kilometer Länge mit Geh- und Radweg sowie einer Straßenbeleuchtung erschlossen sind. Im östlichen Bereich liegen zehn Hektar als naturbelassene Ausgleichsfläche mit landschaftsgerechten Anpflanzungen und dem Grabensystem mit Regenwasserrückhaltebecken. Am Rande des Gebietes ist an der Bahnstrecke entlang ein Radweg entstanden, über dessen Anbindung an die Straße nach Sande noch nachgedacht wird. Bei den Bauarbeiten wurde aus der Parkanlage Hohe Gast 22.000 Kubikmeter Sand entnommen und für die Erschließungsarbeiten verwendet. Dadurch war zugleich der Gaster See mit einer Wasserfläche von 10.000 Quadratmetern entstanden.

Ein Unternehmen hatte vor der Einweihung bereits mit seinem Hochbauvorhaben begonnen, drei weitere standen bereit. So hatte das Gewerbegebiet Ostiem einen guten Start. Der Standort in diesem Gebiet zwischen der Bundesstraße 210, der Plaggestraße und der Eisenbahn Sande – Esens ist für viele Unternehmen durch die kurze Entfernung von nur 800 Metern zur Autobahn von großem Vorteil.

Der Bahnhof in Ostiem war ein wichtiger Platz
Der Schortenser Gemeinderat wollte auch den ersten Bahnhof in Ostiem haben

OSTIEM. Der Bau der Eisenbahnlinie von Sande nach Jever brachte dem Ort Ostiem mit der Eröffnung der Linie im Oktober 1871 auch einen eigenen Bahnhof. Zunächst hatte die für den Bau und den Betrieb zuständige Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn (GOE) hier den größeren Bahnhof im Bereich der Gemeinde Schortens neben dem Bahnhof Heidmühle geplant. Die Gründe für die Änderung dieses Planes sind nicht zweifelsfrei zu klären. Einige Heimatforscher verweisen auf Bemühungen des Heidemüllers in Heidmühle, andere auf die fehlende Bereitschaft von Ostiemer Landwirten, das erforderliche Gelände herzugeben.

Diese Entscheidung hat der Gemeinderat in Schortens nicht mitgetragen. In einer Sitzung am 9. August 1870 beschäftigten sich die Ratsherren mit den Plänen, die von der Eisenbahndirektion aus Oldenburg vorgelegt worden waren. In einem langen Protokoll notierte der damalige Gemeindevorsteher Dudde Ammen Eilks (mit dem heutigen Bürgermeister etwa vergleichbar) unter anderem: „Der Gemeinderath kann nicht umhin und findet sich einstimmig veranlasst zu erklären, dass er die Haltestelle bei der Heidmühle nicht befürworten könne. Die Haltestelle zu Großostiem hat voraussichtlich größere Vorteile und ist im Interesse der ganzen Gemeinde, sie wird auch der Eisenbahn- Casse bedeutend mehr einbringen und ist auch der Mittelpunkt zwischen Sande und Jever.“
So wurde der „Haltepunkt Ostiem“ dort angelegt, wo die Eisenbahnlinie den Börver Weg (später „Plaggestreaße“ genannt) kreuzte. Er war damit nicht unbedeutend, es waren fünf Weichen für die Sandverladung aus dem hiesigen Raum zum Bau des neuen Hafens an der Jade vorhanden. Dazu kam eine provisorische Telegraphen- und eine Wasserhilfsstation. Wenige Jahre später jedoch wurde der Sandumschlag nach Heidmühle verlegt, die Gleisanlagen wurden zurückgebaut. Trotzdem nahm für den Haltepunkt die Bedeutung als Personen- und Güterbahnhof noch zu. Besonders der Berufsverkehr zur Werft hatte größte Bedeutung. Ostiem stellte zeitweise die größte Zahl der Fahrgäste aus dem Kreis der Werftarbeiter, die sich im Bereich von Ostiem und Schortens angesiedelt hatten. Hinzu kam die große Zahl von Ausflüglern, die in Ostiem aus- und einstiegen, um von hier aus den Upjeverschen Forst zu Fuß zu erreichen. Der Forst hatte vor dem zweiten Weltkrieg eine wichtige Funktion im Bereich der Naherholung. Auf der anderen Straßenseite entstand eine bedeutende Bahnhofsgaststätte, die stark frequentiert wurde. An dieser Stelle wurde später eine Molkerei eingerichtet. Milch- und Molkereiprodukte gehörten zu den Gütern, die hier in Ostiem verladen wurden.

Zu den Aufgaben des Haltepunktes Ostiem als Agentur mit Schrankenwärterdienst gehörten die Fahrkartenausgabe, die Gepäck- und Expressgutannahme sowie die Überwachung der Milchverladung und der Schrankendienst. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde Ostiem noch einmal Umschlagplatz für Sand, der in der bekannten Hohen Gast westlich des Ortes abgebaut wurde. Es sollte eine neue Bahntrasse von Sande nach Wilhelmshaven entstehen, die jedoch nicht fertiggestellt wurde. Im Jahre 1963 ging mit Johann Böhling der letzte aus Ostiem, die Schranken wurden durch eine Blinkanlage ersetzt. Der Bahnhof wurde zu einem unbesetzten Haltepunkt, der am 1. Mai 1982 aufgehoben wurde. Eine ferngesteuerte Schrankenanlage wurde in der Zwischenzeit wieder installiert und immer laute wird der Wunsch, den beliebten Haltepunkt Ostiem wieder einzurichten. Bleibt abzuwarten, ob Ostiem den Bahnhof zurückbekommt. Die inzwischen geschlossene Besiedlung zwischen Ostiem und Schortens wäre ein wichtiges Argument.

Von Martin Noormann