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Schoost

Die Bauernschaft Schoost
Im Jahre 1124 erstmals urkundlich erwähnt - Blick in die Geschichte

mx Schoost. Die Wohnplatz Schoost in der Gemeinde Schortens wurde in einer päpstlichen Urkunde vom 27 September 1124 erstmals erwähnt. Es handelt sich dabei um eine Aufzeichnung von Landbesitzungen, die dem damaligen Kloster Rastede gehörenden Landbesitzungen. Zum Kloster Rastede gehörte auch das frühere Kloster Oestingen. Unter den zwölf Orten aus Friesland ist aus „Scohurst“, das heutige Schoost, genannt. Nur mit etwas Phantasie kann man sich die Situation vor nunmehr 875 Jahren vorstellen.
Der Ort lag am südlichen Rand der Geest am Übergang zur Marsch. Im Norden des Ortes gab es weite Heideflächen. Den jetzigen Forst Upjever gab es noch nicht. Nach Süden gab es fruchtbares Kleiland und dahinter das offene Wasser der Maadebucht. Einen Schutz durch Deiche gab es noch nicht. Durch die Ackerflächen auf der Geest und die guten Graslande in der Marsch war das Gebiet ein idealer Siedlungsplatz. Die ersten Siedlungen in friesischen Raum waren alle Geestranddörfer, wie Schoost , Schortens und auch Ostiem. Vermutlich waren hier zunächst zur zwei oder drei Familien ansässig. Der erste Name „Scohurst“ ist friesisch und deutet auf eine bewaldete Erhöhung hin, die Schutz vor den Fluten des Meeres bot. Alte Flurnamen deuten darauf hin, daß es hier auch einen kleinen Hafen gegeben hat.
Etwa um die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde dann mit dem Deichbau, aber auch mit dem Kirchenbau begonnen. Die ersten Gotteshäuser entstanden in dieser Zeit in Schortens und beim Kloster in Oestringfelde. In dieser Zeit wechselte der Ortsname über Scogeste zu Scoest und 1587 schließlich zu Schost. Aus dem letztgenannten Jahr gibt es ein Erbregister, welches in Schoost acht landwirtschaftliche Anwesen nachweist.
Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Ortes war das Jahr 1886. In diesem Jahr wurde die „Amtsverbandschausse“, die heutige Kreisstraße von Schortens zur Landesgrenze nach Ostfriesland und weiter nach Reepsholt gebaut. Damit verbunden war ein Flurbereinigungsverfahren, um die Ländereien der einzelnen Höfe den neuen Verhältnisse anzupassen. Schließlich gab es 1951 das „Püttenabschiedsfest“. In diesem Jahr wurde der Ort an das öffentlich Wasserversorgungsnetz angeschlossen. Bis zu diesem Jahr mußten Trinkwasser für Mensch und Tier sowie das Brauchwasser mühevoll aus Brunnen, den „Pütten“ gefördert werden, die nunmehr ausgedient hatten.
Heute ist Schoost immer noch ein ländliches Gebiet, aber die Landwirtschaft als Vollerwerb ist seltener geworden. Im Jahre 1970 waren es noch 17 landwirtschaftliche Betriebe, heute sind es nur noch sechs. Seit über 100 Jahren gibt es in Schoost die Gaststätte der Familie Heiken. In guten wie in schlechten Zeiten war die „Waldschänke“ der Mittelpunkt des Ortes. Es gab bis nach dem zweiten Weltkrieg noch eine zweite Gastwirtschaft am Ginsterweg. Diese wurde jedoch in den fünfziger Jahren abgebrochen.
Seit etlichen Jahren hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband in Schoost eine Betriebsstätte. Außerdem hat sich ein größerer Gartenbaubetrieb und eine Holzkunstwerkstatt angesiedelt. Schoost hat heute etwa 200 Einwohner. Damit hat sich die Einwohnerzahl in diesem Jahrhundert nicht verändert. Auch die Volkszählung des Großherzogtums Oldenburg stellte 1905 für Schoost  mit Kohlthunerei und Hammrich 183 Einwohner und 31 Häuser fest.

Hölzerne Grenzbrücke verband Oldenburg und Preußen
Reisende über die Grenze hatten in Schoost das „Weggeld“ zu bezahlen . Maut vor über 100 Jahren unter anderem Namen – Gemeinden verhandeln über Instandhaltung

Von Martin Noormann

SCHOOST. Die Kreisstraße von Schortens nach Reepsholt ist eine wichtige Verbindung zwischen dem südlichen Jeverland und der Stadt Wilhelmshaven einerseits und dem südlichen Ostfriesland, insbesondere den Gemeinden Friedeburg (Kreis Wittmund) und Wiesmoor (Kreis Aurich). Die besondere Bedeutung hatte diese Verbindung auch schon in früheren Jahrhunderten, allerdings war die Situation vor mehr als Hundert Jahren eine völlig andere.
Die Straße wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts befestigt, nachdem es ab 1891 intensive Verhandlungen zwischen den Ämtern Jever und Wittmund und den beteiligten Gemeinden Schortens (Jeverland) und Dose (Harlingerland) gegeben hatte. Davor war die Benutzung besonders bei regnerischem Wetter oft problematisch. Zunächst verlauft die Verbindung im Bereich der Gemeinde Schortens auf der jeverländischen Geest und führt dann gleich hinter Schoost in einen landschaftlich schönes Gebiet, welches bis vor Dose reicht. Ab dort gibt es wieder festen sandigen Boden. Aber der weichere Boden zwischen Schoost und Dose war nicht das einzige Hindernis. Wenige hundert Meter östlich der Ortschaft Schoost kreuzt das Upjeversche Tief die Wegeverbindung. Etwa in dieser Höhe verlief bis zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts die „Staatsgrenze“ zwischen den beiden deutschen Staaten Oldenburg und Preußen. Über das Gewässer führte eine schmale Holzbrücke, die laufend unterhalten werden musste. Erste Belege gibt es darüber nach der Bildung der politischen Gemeinden aus dem Jahre 1869.
Der Gemeinderat von Schortens beschäftigte sich erstmals am 22. September 1869 mit der Brücke. Über das Großherzogliche Verwaltungsamt Jever war eine Resolution des preußischen Amtes Wittmund wegen der reparaturbedürftigen Brücke zwischen Schoost und Doose (damalige Schreibweise) eingegangen. Darin heißt es, dass die Gemeinde Dose, welche zur Hälfte die Reparaturkosten zu tragen „sich erbietet“, auch mit einer Aufhebung der Brücke einverstanden ist, wenn der Wasserzug aufgehoben und das Wasser in den auf Oldenburgischen Gebiet neu angelegten Wasserzug abgeführt wird. Das Wasser aus Ostfriesland wollten die Schortenser jedoch nicht aufnehmen und diese Alternative wurde abgelehnt. Vielmehr beantragte der Schortenser Rat bei den Ämtern, dass die in sehr schlechtem Stande vorhandene Grenzbrücke von den Gemeinden Dose und Schortens gemeinschaftlich neu geschlagen wird. Dieser Vorschlag ging so an das „königlich preußische Amt“ in Wittmund.
Dieser Antrag wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt. Bereits am 15. Dezember 1869 stand die Grenzbrücke wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats in Schortens. Darüber berichten die Analen:
„Vorgelegt wurden die Aktenstücke über den Neubau der Grenzbrücke zwischen Schoost und Doose. Der Gemeindevorsteher Eilks zeigt an, daß der Herr Ortsvorsteher Vosh von Doose bei ihm gewesen und das derselbe bemerkt habe, daß seiner Meinung nach die Brücke nicht so gar schlecht sei und daher noch sehr gut repariert werden könne. Das Kleidholz müsse erneuert und allenfalls die Decke verbessert werden. Mit dem selben wurde verabredet, daß die Brücke sowohl von Seitens Doose als Schoost gemeinschaftlich durch Sachverständige untersucht werden sollte wozu von Doose aus der Hausmann Hinrich Behrens von Lopsum und diesseits Hausmann Heike Jürgens Heiken zu Schoost in Vorschlag gebracht wurden, welche jeden einen Zimmermann mitbringen, dann die bei der genauen Untersuchung der Brücke nöthige Reparatur miteinander bestimmen und demnächst die Instandsetzung hiernach zur Ausführung kommen sollte. Der Gemeinderath ist mit Obigem einverstanden.“
Dabei muss es dann wohl geblieben sein, denn über weitere Verhandlungen berichten die alten Akten nicht. Endgültig erledigt hatte sich die Frage jedoch erst kurz vor dem Ende des 19. Jahrhunderts. Nach langwierigen Gesprächen zwischen den Ämtern Jever und Wittmund wurde der Weg von Schortens über Schoost und Dose bis Reepsholt als „Amtsverbandschaussee“ (im Rang einer heutigen Kreisstraße) befestigt und die Brücke durch einen Durchlass ersetzt. Doch diese „Errungenschaft“ blieb für die Benutzer nicht ohne finanzielle Konsequenzen.
Wer zu dieser Zeit die Straßenverbindung aus Ostfriesland nutzen wollte, konnte dieses nicht kostenfrei tun. Fuhrwerke, andere Verkehrsmittel gab es zu dieser Zeit noch nicht, mußten in Schoost erst einmal in der heutigen Gaststätte „Waldschänke“ einkehren, um bei Gastwirt Heiken das „Weggeld“ zu entrichten. Lediglich Fußgänger waren hier frei. Diese Abgabe war eine Leistung für die Benutzung des Wegstrecke und kann mit der heutigen „Maut“ durchaus verglichen werden. Sie ist nicht mit dem Wegegeld in einigen Städten wie Jever zu verwechseln, letzteres war in jener Zeit eine Art „Anliegerbeitrag“ und wurde insbesondere in Jever nur von den anliegenden Grundstückseigentümern erhoben. Das erstgenannte Weggeld wurde im preußischen Bereich später zum Teil auch als „Wegezoll“ bezeichnet, obwohl es sich nicht um einen Zoll in eigentlichem Sinne handelte, den mit Zoll wurde früher wie heute ein- und ausgeführte Waren belegt. Das Weggeld nahm dagegen keine Rücksicht auf die Art der transportierten Waren und Güter. Nach der Zahlung bei Gastwirt Heiken durfte aber nur die Chaussee von der Staatsgrenze bei Schoost über Schortens bis Heidmühle benutzt werden, wo man bald wieder vor dem Schlagbaum der nächste Hebestelle stand. Die Tarife mit detaillierten Regelungen legten fest, welcher Gelder zu „erheben“ waren. In der Gegenrichtung aus Schortens nach Ostfriesland trafen die Reisenden bald in Reepsholt auf die erste hannoversche Weggeldhebestelle, die für  die Nutzung des dortigen Straßennetzes kassierte. Dort wurde das Weggeld später auch „Wegezoll“ genannt. Über die mehrfach wechselnden Tarife liegen heute noch genaue Unterlagen vor. Der Blick in alte Analen beweist, daß die heute viel diskutierte „Maut“ keine Erfindung unserer Zeit ist. Die Obrigkeit in früheren Jahrhunderten wußte auch schon, daß Verkehrsverbindungen für die Wirtschaft sehr wichtig waren und sich hier eine kaum versiegende Einnahmequelle erschließen läßt. Hebestellen für Wegezoll gab es in jener Zeit im Jeverland und auch in anderen Gebieten recht zahlreich..
Die vielen Benutzer der Straßenverbindung über Schoost und Dose erinnern sich heute kaum noch daran, daß sie hier eine frühere Staatsgrenze passieren, sobald sie aus Schoost kommend mit einem leichten Bogen die Geest verlassen und in die offene Landschaft der Marsch fahren. Von der einstigen Grenze sind auch keine äußeren Zeichen geblieben.
[Keine Beschreibung eingegeben]
Foto:
So einsam wie auf unserem Foto präsentiert sich der Weg von Dose nach Schoost heute nur selten. In Höhe des hier querenden Wasserzuges verlief früher die Grenze zwischen Oldenburg und Preußen. Nur eine Holzbrücke, die laufend unterhalten werden musste, führte über das Wasser. Die Benutzung der kurz vor dem Jahr 1900 angelegten „Chaussee“ (Kreisstraße) war kostenpflichtig.                                                                                 Foto: Noormann