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Schortens

Der Weg zur Familie Steen trägt ihren Namen
Wegeverbindung mindestens seit 1842 – Im Jahre 1966 zu einer Straße ausgebaut
Von Martin Noormann

Das Gelände südlich des Kreuzweges und östlich des Klosterweges wird durch den bekannten Steensweg erschlossen und ist heute ein schmuckes Siedlungsgebiet. Es ist etwa ab dem Jahre 1960 nach dem damaligen Bebauungsplan „Steensweg- Nord“ entstanden. Der Zustand war in früheren Jahrhunderten völlig anders. Zurückblicken kann man bis zum Jahre 1842. Die erste umfassende Landaufnahme stand an, die man heute als Vermessung bezeichnen würde, die durch Katasterämter oder andere Stellen erfolgt. Im heutigen Gebiet Steensweg waren im Januar des Jahres 1842 der Conductor Fimmen und der Feldmesser Schilgen II unterwegs. Das Ergebnis wurde durch den Feldmesser Schilgen I „kartirt“ (so die damalige Schreibweise in den noch vorhandenen Unterlagen).

Gebäude haben die drei Herren in diesem Gebiet nicht vorgefunden, sondern nur die landwirtschaftlichen Flächen. Sie waren durch einen Feldweg zu erreichen, der am Ortsausgang von Schortens begann und dem heutigen Steensweg bis zur Ecke mit dem Philippsweg folgte. Von hier folgte weiter eine schmale Fahrspur auf dem Areal des heutigen Steensweges bis zur Einmündung des heutigen Taubenweges. Weiter bis zur nördlichen Einmündung gab es keinen Weg mehr. Der erste Siedler in diesem Gebiet muss nach alten Unterlagen der Feuerversicherung die Familie Johann Steen gewesen sein, die etwa um das Jahr 1880 ein Wohnhaus an der Stelle errichtete, an der heute das Gebäude Taubenweg 10 steht. Die Wahl mitten im Gelände war nicht rein zufällig oder aus einer Laune heraus, wenn solche Maßnahmen auch später als „Zersiedlung“ bezeichnet wurden. Aber zu dieser Zeit konnte man nur dort ein Haus bauen, wo man auch Wasser fand. Eine ergiebige „Pütt“ mit gutem Trinkwasser war die wichtigste Voraussetzung. So führte der beschriebene Landweg zur der Familie Steen und der Weg nach Steen wurde bald zum Steensweg.

Den Besitz verkaufte Hinrich Cornelis Stehen, er ist ein Sohn des ersten Besitzers, schließlich im Juni 1919 an Johann Theodor Tjardes, zu diesem Zeitpunkt sprechen die alten Register bereits von einem Zweifamilienhaus. Bei den überaus bescheidenen Wohnverhältnissen jener Zeit war diese Nutzung durchaus üblich. Das Gebäude wurde mehrfach umgebaut und verbessert und damit dem wachsenden Ansprüchen der Bewohner angepasst und bald wieder zu einem Einfamilienhaus. Die Witwe des Johann Theodor Tjardes gab den Besitz schließlich 1965 an den Enkel Johann Tjardes weiter, der heute noch mit seiner Frau an gleicher Stelle wohnt und das Gebäude wesentlich ausgebaut und verschönert hat. So kann der Zuschnitt des Gebäudes in früheren Jahrzehnten nur noch mit wenigen noch erhaltenen alten Bildern dokumentiert werden. Geblieben ist die Anbindung über den Taubenweg an den Steensweg und der Straßenname „Steensweg“ für alle Zeit.

Viele Jahre war das Wegegrundstück im Besitz der Eigentümer der dort anliegenden Grundstücke und wurde als Genossenschaftsweg geführt, eingetragen unter der Nummer 7 des gemeindlichen Wegeregisters. Bei wenigen Anliegern und Nutzern war diese Regelung früher durchaus üblich, aber für die betroffenen Bürger nicht so angenehm. Schließlich hatte die Wegegenossenschaft die Aufgabe, den Weg zu unterhalten und zu pflegen. Mit dem Beginn der baulichen Erschließung des neuen Baugebietes „Steensweg- Nord“ war diese Regelung nicht mehr zeitgemäß.

So übergab die Wegegenossenschaft ihr Eigentum schließlich 1965, wie mehrere andere Wegegenossenschaften auch, an die damalige Gemeinde Schortens, die damit auch alle Verpflichtungen übernahm und eine wichtige Erschließungsstraße erstellte. Der Steensweg wurde verlängert bis zur zweiten nördlichen Einmündung in den Klosterweg. Für das neue Siedlungsgebiet wurde der Weg zu einer Straße mit Bürgersteig und Beleuchtung ausgebaut. Er hat jetzt eine Länge von insgesamt 626 Metern. Die neue Straße wurde am 15. Juli 1966 gewidmet, das heißt, offiziell dem Verkehr übergeben. 

Ermittelt ist auch das weitere Schicksal der Familie. Hinrich Cornelius Steen hatte den Verkauf übernommen, weil seine beiden Brüder Johann und Anton inzwischen nach Amerika ausgewandert waren. Nachkommen der drei Steen-Brüder gibt es in den Vereinigten Staaten und auch im Raum Wilhlemshaven/Friesland in fünfter und sechster Generation. Viele Daten konnte das Stadtarchiv nach Hinweisen mehrerer Mitbürger ermitteln.

Das etwa 1880 erbaute Haus des Hinrich Cornelius Steen ging im Jahre 1919 an die Familie Tjardes über, die noch an gleicher Stelle wohnt. Namensgeber für den Weg ist der Erbauer geblieben.

Ein Ausschnitt aus der ersten „Katasterkarte“ von 1842 zeigt den Steensweg, wie er vom Klosterweg (rechts unten) in das Gelände führt und den Bangeneth genannten landwirtschaftlichen Bereich bis zum Kreuzweg zugänglich macht. Nachgetragen sind die heutigen Straßennamen und die Lage des Hauses der Familie Steen.           

Foto und Repro: Martin Noormann

 

 

 

Gründungsdatum ist nicht festzustellen
Nur spärliche Nachrichten aus der Frühzeit von Schortens – der  „Geburtstag“ fiel aus
Von Martin Noormann


SCHORTENS. Der Gründung des Ortes Schortens oder der Beginn der Besiedlung liegen im Dunkeln der Geschichte. Die bisherigen Nachforschungen brachten kein Ergebnis. Einige Vermutungen sind sehr wage und die Daten bleiben bei näherer Prüfung doch recht fraglich.

Aktuell geprüft wurde die Frage des Alters von Schortens nochmals auf Grund einer Initiative vom September 2008. Anlass war eine Urkunde des Papstes Hadrian IV aus dem Jahre 1158 in der auch ein Ort Scrothinh genannt ist. Damit könnte man in Schortens den 850. „Geburtstag“ feiern. Dieser Vorschlag fand sofort Befürworter wie auch Zweifler. Fachkundliche Historiker wurden zu Rate gezogen. Das Staatsarchiv in Oldenburg stellte dazu heraus, dass von Historikern angezweifelt wird, dass der im Jahre 1158 urkundlich erwähnte Ort Scrotinh mit dem Ort Schortens in Verbindung zu setzen ist. Eine entsprechende Vermutung ist recht fraglich und kann nicht belegt werden. Auch im Schlossmuseum in Jever wurde die Meinung vertreten, dass der Ort Schortens sicherlich älter als 850 Jahre ist. Damit war eine Geburtstagsfeier zum Bedauern vieler Heimatfreunde hinfällig geworden.

Dazu ist festzustellen:

Allgemeines
Die Gründung des Ortes Schortens mit der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des Namens ist ohnehin problematisch. Alle in einer päpstlichen Urkunde genannten Orte und Siedlungen müssten für die Aufnahme in die Urkunde bereits eine geraume Zeit vorhanden sein und nicht erst im Gründung stehen.
Die Erbauung der St.-Stephanus-Kirche Schortens wird auf das Jahr 1153 datiert, die Gründung eines entsprechenden Ortes fünf Jahre später ist kaum vorstellbar. Die Kirchenbauten wurden zu der Zeit weitgehend von den ortsansässigen Einwohnern mit fachkundigen Helfern ausgeführt und auch finanziert. Der Bau einer Kirche setzt also voraus, dass schon eine entsprechende tat- und finanzkräftige Bevölkerung am Orte vorhanden war. Bei der Betrachtung muss zwischen Ortsentwicklung und Kirchengeschichte deutlich unterschieden werden.

Kirchengeschichte
Die Kirchengeschichte der St.-Stephanus-Kirche beginnt mit der im Jahre 1148 hier ausgebrochenen Oestringer Fehde. Für den Fall des Sieges gelobten die Bewohner von Oestringen den Bau einer Kirche. Der Sieg in den mehrere Jahre dauernden Auseinandersetzungen wurde errungen. Der Bau der Kirche wurde 1153 begonnen oder vollendet.. Die Urkunde des Papstes Hadrian IV von 1158, die Kirchen und keine Orte aufzählt. Wenn mit Scrothinh wider erwarten doch Schortens gemeint sein sollte, ist dieses nur ein schöner Beweis, dass der Bau der Kirchen  durchgeführt wurde. In einer älteren Papsturkunde von 1124 wird der Ort „Scohorst“ genannt, der allgemein von Historikern mit dem Schortenser Ortsteil Schoost gleichgesetzt wird, der als „in Frisia“ aufgezählt wird. Mit letzter Sicherheit kann nicht ausgeschlossen werden, ob nicht doch „Scohorst“ und „Scrothinh“ identisch sind.

Ortsgeschichte
Nach der Oestringer Chronik (Pastor Gerhard Aden von 1953) gelobten Oestringer in der Oestringer Fehde (1148) „ene Kercke tho boven in de Ehre Sunte Steffan tho Schortense“. Der Standort ist darin bereits konkret bezeichnet. Wenn die Wahl des Ortes durch die Oestringer auf das heutige Schortens gefallen ist, muss dieser Ort also vorhanden gewesen sein. Auch hat es für die Wahl zum Standort der Kirche sicherlich Gründe gegeben – sie sind leider nicht überliefert. Die Größe und die zentrale Lage im damaligen Siedlungsraumes zwischen Schoost und Ostiem wären Gründe gewesen.
Die Besiedlung des Geestbereiches zwischen Reepsholt und Ostiem muss nach der herrschenden Meinung von Heimatforschern auf den Beginn der Zeitrechnung datiert werden. Nachweisen lässt sich die Besiedlung bereits ab dem 5. Jahrhundert durch das große Gräberfeld an der Plaggestraße östlich des neuen Friedhofes. Die große Zahl der gefundenen Gräber, und es werden nicht alle gewesen sein, lässt auf eine größere Ansiedlung schließen, die nach Erkenntnissen aus anderen Gebieten mit Sicherheit südlich davon im Bereich Klein Ostiem gelegen hat. Allein der wiederum exakt südlich dieses Gebietes liegende „Junkernberg“ stützt nach meiner Meinung diese Theorie.
Bereits etwa um das Jahr 1000 soll sich das Steigen des Meeresspiegels bemerkbar gemacht haben. Außer dem Junkernberg wurden jedoch bisher im Gebiet südlich von Schortens und Ostiem keine größeren Deichbaumaßnahmen festgestellt, die an anderen Stellen um diese Zeit begonnen wurden. Bleibt die Vermutung, das sich die Einwohner der genannten Ansiedlung, für die kein Name übermittelt ist, schrittweise auf die sichere Geest zum heute alten Ortskern von Schortens zurückgezogen haben. Ob es an dieser Stelle zu jener Zeit wegen der besonderen Lage zum Meer bereits eine kleine Ansiedlung an einer Anlegestelle gegeben hat,  bleibt offen. Der Anfang von Schortens kann daher auf das Jahr 1000 oder früher terminiert werden, doch konkrete Fakten wird die Geschichte kaum noch preisgeben.

 

 

 

 

Das Kirchdorf Schortens entwickelte sich ab 1153
Günstige Lage am Übergang von der Geest zur Marsch könnte der Grund sein


Es ist zu vermuten, dass es um den frühgeschichtlichen Begräbnisplatz an der späteren Plaggestraße etwa gegenüber etwa gegenüber der Einmündung des heutigen Papenmoorlandsweges auch eine menschliche Ansiedlung und eine Andachtsstätte, vielleicht eine Holzkirche, gegeben hat. Nicht übermittelt ist, ob dieser Wohnplatz auch einen eigenen Namen hatte.
Mit großer Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass es zum Zeitpunkt der großen Schlacht auch den Wohnplatz Schortens bereits gab, da dieser Ort in dem genannten Gelübte bereits präzise bezeichnet wird. Ein Geheimnis der Geschichte werden die Gründe bleiben, die für die Wahl von Schortens den Ausschlag gaben. Mit der Fertigstellung der St.-Stephanus-Kirche verlagerte sich das Leben um die Kirche herum, der bisherige Platz geriet in Vergessenheit und wurde erst 1937 durch einen Zufall wieder entdeckt.
Die Gründe könnten die geographischen Gegebenheiten gewesen sein. Von Westen, der „Hohen Gast“ in der Nähe des frühgeschichtlichen Friedhofs, wie von Westen, der „Hohen Horst“, aber auch von Norden, dem weiten Heideland,  senkt sich das Gelände leicht ab und könnte einen leichteren Zugang zum offenen Meer gegeben haben. Ein solcher Zugang, auch Schart (siehe Deichschart) genannt, könnte in der Fassung „Schort“ in plattdeutschen Mundart im Namen Schortens verborgen sein. Auch friesisch gibt es die Begriffe schor, schar und schare als einen Platz dicht am Wasser oder Sumpf sowie als Böschung, zum Wasser abfallend. Andere Historiker vermuten in der Ortsbezeichnung den Namen einer zur jener Zeit einflussreichen Familie. Daran dürfen jedoch Zweifel angemeldet werden, da zu jener Zeit Namen für  Familien noch nicht in Gebrauch waren. Die Friesen führten überwiegend nur einen Namen, den Personennamen in der Art des Vornamens. Hinzu kam gelegentlich ein Bezug auf Wohnort oder Beruf. Etwa mit der Reformation um das Jahr 1530 wurde ein Zuname angenommen. Dieses war jedoch noch kein fester Familienname nach heutigen Regeln. Dieses erfolgte erst 1811 unter der Herrschaft von Napoleon. Mit ihrer bekannten Hartnäckigkeit sträubten sich viele Jeverländer. Erst im Jahre 1829 verfügte der Herzog von Oldenburg, dass diese Regel ohne Ausnahme zu gelten habe. 
Die Schreibweise des Ortsnamens unterlag stetig kleinen Veränderungen. So wird 1158 von Scrotinh, 1190 von Scrotinghe und um 1400 von Schortinse geschrieben. Der päpstliche Kollektor Jacobus de Rota verzeichnet in seinem Rechnungsbuch von 1317 bis 1320 Einnahmen in Oestringer Denaren der Münze zu Jever, so auch aus „de seclesia in Schortenze“.
Über das allgemeine Leben der Menschen in dieser Zeit bis hin zur Reformation, so auch aus Schortens, ist wenig übermittelt und es sind schriftliche Aufzeichnungen in besonderem Bezug auf Schortens nicht bekannt. Geprägt wurde die Zeit vermutlich vom Wirken des Klosters Oestringen, welches im Gebiet des Kirchspiels Schortens und weit darüber hinaus bis zur Reformation einen großen Einfluss hatte.