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Sillenstede

Chronikkreis Sillenstede eröffnete die Ausstellung 2009
An die Heimatforscher Georg Janßen, Carl Wöbcken und Erich Graalmann erinnert
Von Martin Noormann

SILLENSTEDE. Die Erforschung der Heimatgeschichte ist eine recht mühevolle und zugleich zeitraubende aber auch spannende Arbeit. Die gestern, Freitag, eröffnete Ausstellung des Chronikkreises Sillenstede unterstreicht dieses besonders. Erzählt wird die Geschichte der Höfe und der landwirtschaftlichen Betriebe im Umkreis des Ortes und dem Leben auf den verstreut liegenden Wohnplätzen erzählt. Eine fast achtzigjährigen Forschungsarbeit steckt dahinter.

Bereits um das Jahr 1930 haben der bekannte Heimatforscher Georg Janßen und der Sillensteder Pastor Carl Wöbcken das Thema aufgegriffen und umfangreiche Ermittlungen über die Entstehung und die ersten Besitzer der Höfe angestellt. Beide reichten ihr Ergebnis an den Sillensteder Heimatfreund Erich Graalmann weiter, der ihre Arbeit intensiv fortgesetzt hat. Leider erleben alle drei Männer den Abschluss der Arbeit und das Ergebnis nicht mehr, sie sind zwischenzeitlich verstorben. Mit großer Hochachtung erinnert man sich heute noch im Chronikkreis Sillenstede an ihr recht intensives Wirken. Erich Graalmann hatte im vorgeschrittenen Alter das damalige Ergebnis an Doris Wolken weitergegeben, welche die Geschichte inzwischen bis um das Jahr 2000 fortgeschrieben hat. Weitere Einzelheiten, besonders aber Bilder und Dokumente trugen die Mitglieder des Chronikkreises in den vergangenen Jahren aus eigenem Besitz, aber auch aus der Familie und von Freunden und Bekannten aus der Umgebung zusammen. Letzte Details steuerte das Archiv der Stadt Schortens bei. So zeigt die Ausstellung nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern es wird auch die Entwicklung aufgezeigt und ein Vergleich zu „gestern und heute“ in der Landwirtschaft gezeigt.





An die segensreiche Arbeit der Sillensteder Heimatforscher Georg Janßen, Carl Wöbcken und Erich Graalmann (von oben nach unten) wird mit der diesjährigen Ausstellung ebenfalls erinnert.                                                                                 Repros: (3) Martin Noormann

 

 

Sillenstede als eine Stätte der vielen Siele - Die Interpretation alter Namen bringt vielfach ein fast unlösbares Problem mit sich

Von Martin Noormann

SILLENSTEDE. Zahlreiche Landschaften, Orte und Plätze, Wege und Straßen sowie einzelne Gebäude tragen Namen, deren Herkunft, Ursprung und Bedeutung heute nur noch sehr schwer zu ergründen sind. Sie stammen zum großen Teil noch aus der Zeit, als die friesische Sprache die Umgangssprache in unserer Region war. Fremd ist diese Sprache auch weitgehend den Heimatforschern. So hat man sich vielfach an kirchliche Begriffe und religiöse Überlieferungen gehalten, wenn eine Deutung auf anderem Wege nicht möglich war. Dadurch haben sich falsche Interpretationen, die schwer zu berichtigen sind.

Zudem haben Flutkatastrophen das Gesicht der Küstenlandschaft ständig geändert. Im Laufe der Jahrhunderte, auch zwischen den Katastrophen, haben die Menschen an der Küste alle Anstrengungen unternommen, um das verlorene Land dem Meer wieder abzuringen. Dabei gab es Erfolge, die jedoch eine weitere Veränderung mit sich brachten. So ist das Bild, welches den ursprünglich mit dem Namen festgehalten wurde, nicht mehr gegeben.

Große Veränderungen hat es um Sillenstede gegeben. Auf der nordöstlichen Spitze des jeverländischen Geestrückens gelegen, hatte der Ort früher mehrfachen Zugang zur offenen See. Es wurden hier im Hochmittelalter Deiche gebaut und zwar über die Mühlenreihe nach Waddewarden und um 1380 von Sillenstede nach Purkswarfe. Auf diesem Deichzug liegt etwa heute noch der Purkswarfer Weg. Er lief über Wehlens als „Schenkeldeich“ nach Westerhausen. Beim Deichbau musste die Entwässerung von der Sillensteder Geest her gewährleistet bleiben. So waren eine Mehrzahl von Sielen zu schaffen und zwar nördlich des Ortes, wie auch nach Osten bei Zielens und nach Südosten das Siel am Südermarschweg. Es entstand eine große Zahl von Sielen, früher auch „Syhle“ geschrieben, die dem Ort Sillenstede als Sielenstätte den Namen gegeben haben könnten. Für die Namensdeutung nach der Heiligen Cäcilia gibt es dagegen keine fundierte Begründung.

Im Ort Sillenstede gibt es die „Dicktonnenstraße“, an der in früheren Zeiten recht viele Gaststätten mit hauseigener Brauerei ansässig waren. Daraus ergab sich die falsche Erklärung, dass die „dicken Tonnen“ des Brauereigewerbes hier Pate für den Namen gestanden haben. Doch hat es diese Tonnen vermutlich nie gegeben, denn das gebraute Bier war für den Ausschank im Hause bestimmt und wurde nicht an die Kunden ausgeliefert. Aber dieser Weg führte früher zum Deich, friesisch „Dikk“, der in etwa am Helgen endete. Hier am Übergang zur Marsch lagen fruchtbare Gärten, die niederdeutsch mit Tun oder Thun bezeichnet werden. So handelt es sich bei dieser Straße um die „Dikktunenstraße“. Den Begriff Dikkthunenstraße verwendet noch das Protokoll des Kirchspiels-Ausschusses von Sillenstede vom 5. April 1838.

Der Helgen von Sillenstede wird leicht zum Hilligenland, also Pfarrland, gemacht und in anderem Zusammenhang auch mit der Schifffahrt in Verbindung gebracht. Helgen ist eine geneigte Fläche zum Meeres- oder Flussufer hin an der man sicherlich etwas leichter als an anderen Stellen von kleinen Booten aus aufs Land kommen konnte. Es handelt sich dabei keinesfalls um einen Hafen und auch die „Heiligen“ oder etwa die Kirche waren nicht gemeint. Der Weg zu diesem Punkt war der Helgenweg und damit ist der Zielpunkt des Weges gemeint. Es handelt sich dabei jedenfalls nicht um einen geheimnisvollen „Heiligen Weg“. Auch der Begriff „Hilligen“ wird vielfach falsch gedeutet. Im ausgehenden Mittelalter waren damit Menschen gemeint, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Situation Leistungen aus der Armenkasse in Anspruch nehmen mussten.

Im „braunen Ross“ fing alles an:
Vor fünfzig Jahren verstarb der Busunternehmer Theodor Pekol
Den öffentlichen Nahverkehr im Jeverland und in Oldenburg wesentlich mitgestaltet
Von Martin Noormann

SILLENSTEDE/JEVER: Vor nunmehr 50 Jahren, am 1. Mai 1958, verstarb plötzlich und unerwartet der Busunternehmer, Kaufmann und Gastwirt Theodor Pekol. Er war ein Pionier auf dem Gebiet des öffentlichen Nahverkehrs gewesen und hat sich mit seinen Unternehmen in Jever und Oldenburg einen Namen gemacht. Den Anfang machte er jedoch in Sillenstede. Hier fand er ein gutes Umfeld für die Realisierung seiner zukunftsweisenden Ideen und Pläne.

Theodor Anton Diedrich Pekol, kurz nur „Theo“ gerufen, wurde am 22. Juni 1888 in Horumersiel geboren. Sein Vater war dort als Schuhmachermeister tätig. Bereits der Großvater hatte diesen Meistertitel. Weitere Mitglieder der weitverzweigten Familie Pekol waren vorwiegend im nördlichen Jeverland als Handwerksmeister tätig. Theo Pekol trat nicht in die beruflichen Fußstapfen seiner Vorfahren. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns und war nach der Lehrzeit in Jever und Rüstringen tätig.

Nach Sillenstede kam Theo Pekol am 1. Mai 1914 und übernahm mit seiner Ehefrau Anna, die aus Bockhorn stammte, von Johann Hespen Erben das Geschäftshaus mit der Gaststätte an der Einmündung der Sögestraße in die Jeversche Landstraße. Das Gasthaus führte früher den Namen „Zum braunen Roß“ und ist einer der älteren Betriebe in Sillenstede. Die Geschichte des Traditionshauses reicht bis in das Jahr 1740 zurück, hat Heimatforscher Georg Janßen 1928 festgestellt. Janßen notierte dazu seinerzeit  „Vermöge Kammerprotokolls vom 20. Dez. 1740 hat Gerd Nannen eine neue Kruggerechtigkeit auf seinem Hause, so auf Popke Hohlen Grund steht und acht Gemeindetaler Heuer geben soll, im Sillensteder Looge angenommen und auf Michaeli 1750 zum ersten Male 2 Reichstaler und 6 Schwaren bezahlt.“ Es folgt eine lange Liste der Nachbesitzer bis Johann Hespen und dessen Schwiegersohn Heinrich Bunge, der dann an Pekol verkaufte. Hier im „braunen Roß“ begann dann die Geschichte des Unternehmens von Theodor Pekol.

Für 18 Jahre, bis zum 1. Februar 1932 wurde der Ort Sillenstede dann zur Heimat des jungen Ehepaares Theo und Anna Pekol. Ihre vier Kinder (zwei Jungen und zwei Mädchen) wurden in dieser Zeit geboren. Der Anfang war sehr schwierig. Zunächst verhinderte jedoch der erste Weltkrieg besondere Aktivitäten, Theo Pekol wurde zum Militärdienst eingezogen und die junge Frau musste den Betrieb allein führen. Erst am 29. November 1918 meldete sich Pekol beim damaligen Gemeindevorsteher August Antons „vom Heeresdienst zurück“, wie dieser säuberlich in seinen Akten notiert hat. Seine Frau Anna hatte die Betriebe bis zu diesem Zeitpunkt gut geführt und machte das auch weiterhin, während sich Theo Pekol neuen Aktivitäten widmete. Vor dem Gasthaus eine Tankstelle eingerichtet.

Neue Anregungen durch den Kriegsdienst
Als Soldat hatte es Theo Pekol in einer motorisierten Einheit bis zum Unteroffizier gebracht. Fasziniert war er von der Kraftfahrzeugtechnik und sammelte wertvolle Erfahrungen auf diesem noch relativ jungen Fachgebiet. Das Interesse an diesem Gebiet blieb auch nach der Rückkehr nach Sillenstede und Pekol gründete hier im Jahre 1919 ein Mietwagenunternehmen, verkaufte Autos, Fahrräder und Motorräder.. Gleichzeitig vermehrte er seine Kenntnisse und Fähigkeit im Bereich Fahrzeugbau. Besonders interessierte ihn der Bau von Omnibussen. So entwickelte sich ab 1925 aus seinem Mietwagenunternehmen ein Omnibusbetrieb und der Bau eines Fahrzeuges nach eigenen Plänen stand dann im folgenden Jahr auf dem Programm. Hierfür fand Theodor Pekol in Sillenstede ein sehr gutes Umfeld.

Seine Nachbarn auf der anderen Straßenseite und daneben an der Mühlenstraße waren die Familien Graalmann, ihres Zeichens Schmiedemeister und Stellmacher, die ihr handwerkliches Können gerne zur Verfügung stellten. Dabei konnte man in der Schmiede von Graalmann gewissermaßen auch auf Tradition verweisen. Schon die Vorbesitzer Popken hatten sich seit fast 70 Jahren, nachweislich spätestens ab 1876, mit „Wagenbau“ beschäftigt, allerdings in dieser Zeit von Pferden gezogen. Es handelte sich dabei nicht nur um Fahrzeuge für den Gütertransport, sondern auch um Fahrzeuge für den Personenverkehr. So stand man den Ansinnen von Theodor Pekol und weiterer Interessenten recht aufgeschlossen gegenüber und beschäftigte sich fortan mit dem Bau von Kraftfahrzeugen. Neben Personenwagen entstanden die ersten Busse für das junge Unternehmen Pekol. Über ihre Zahl und die Details gibt es leider keine Aufzeichnungen mehr.

Den ersten Linienverkehr des Unternehmens Pekol gab es dann im Jahre 1927 und zwar ab Mai im Bereich Friedeburg – Wittmund – Carolinensiel und ab Dezember im Jeverland gleich mehrere Linien. Sie reichten nach Horumersiel, nach Nebenkrug und über Schortens nach Reepsholt. Das Verkehrsmonopol lag bei der Post, damals noch Reichspost, und so blieben Probleme nicht aus. Für eine bessere Position im einsetzenden Wettbewerb mit Post und Bahn ging Pekol trotz der Rivalitäten und der anfänglichen Differenzen eine Zusammenarbeit mit dem Omnibusunternehmer Hannes Mewes ein, der im Raum Hooksiel aktiv war. Zwei Kraftverkehrsvereine bildeten sich, etwa Mitte 1927 der Kraftverkehrsverein Hooksiel und im Herbst 1927 der Kraftverkehrsverein Jever, die sich dann 1928 zum „Kraftverkehrsverein Jeverland“ mit Sitz in Jever zusammenschlossen. Die Kraftverkehrsvereine waren die offiziellen Träger der Verkehrslinien, die nur von Mitgliedern genutzt werden durften. Doch diese Mitgliedschaft wurde für einen geringen Jahresbeitrag erworben. Dann konnten Pekol- und Mewes-Busse benutzt werden, in denen der Fahrpreis etwa die Hälfte des Preises der Reichspost betrug.
Betriebssitz wurde nach Jever verlegt

Durch ihre zentrale Lage und dem Bevölkerungsschwerpunkt wurde die Stadt Jever bis zum Jahre 1930 immer mehr zur „Drehscheibe“ des Personenverkehrs. Theodor Pekol trug dem Rechnung, in dem er trotz der verschlechterten wirtschaftlichen Lage den Firmensitz im diesem Jahr nach Jever verlegte. In der Mühlenstraße übernahm er die Gaststätte „Zum roten Löwen“. Hinter dem Gasthaus entstanden Garagen- und Werkstattgebäude, die bis November 1931 fertiggestellt und über den Grashausweg erschlossen waren. Zu Beginn des nächsten Jahres verlegte die Familie Pekol ihren Wohnsitz von Sillenstede nach Jever und Anna Köhler wechselte als Wirtin von der Gaststätte „Braunes Roß“ zum „Roten Löwen“, wo sie gleichfalls erfolgreich war und dazu noch eine öffentliche Tankstelle errichtete. Der gesamte Betrieb in Sillenstede mit Gaststätte, Einzelhandel und Brennstoff ging an die Familie Ohmstede, die das Traditionshaus heute in zweiter Generation führt.

Theodor Pekol selbst hielt es nicht lange in Jever. Im Januar 1933 übernahm er auf Wunsch der Stadt Oldenburg dort die Nahverkehrsversorgung und vom bisherigen Betreiber die Fahrzeuge und Betriebseinrichtungen. Die neue Aufgabe erforderte viel Einsatz und neue Ideen. Und Ideen hatte der agile Pionier aus dem Jeverland. Das vergrößerte Unternehmen bot die Möglichkeit für umfangreiche Planungen und auch Versuche zur Verbesserung der Fahrzeuge. Dabei gab es eine ganze Reihe von Ergebnissen, welche die Fachwelt aufhorchen ließen. Vom ersten Fahrzeug mit dem Motor im Heck bis zum ersten Bus, der mehr als sein Eigengewicht tragen konnte, reichte die weite Palette der Erneuerungen.

Auf der Suche nach neuen Wegen beschäftigte sich Theo Pekol ab 1935 auch mit dem System der mit Oberleitungen elektrisch angetriebenen Busse. Die Trolleybusse entstanden nach seinen Plänen für mehrere Städte. In Oldenburg wurde das Netz der Oberleitungen gebaut und im September 1936 rollte der erste „Trolli“, wie diese Busse inzwischen genannt wurden, durch Oldenburg. Dieses hatte auch positive Rückwirkung ins Jeverland. Vorarbeiten gab es in Jever bereits ab 1937, doch die Verwirklichung dauerte bis zum Februar 1944. Die Linie für Oberleitungsbusse von Jever nach Wilhelmshaven in Betrieb genommen. Sie war mit über 18 Kilometern die längste zu dieser Zeit überhaupt. Von Jever bis Heidmühle nutzte der Trolli die neue in der Zwischenzeit gebaute „Reichsstraße“ (heute Bundesstraße 210), dann ging es auf der gewohnten Linie nach Wilhelmshaven weiter. Hier wurde im Stundentakt gefahren. So wurde die Linie zur wichtigsten Verbindung für den Berufsverkehr.

Viele Jahre bestimmten die Oberleitungen das Straßenbild zwischen den Städten Jever und Wilhelmshaven mit ihren Anbindungen an die Transformatorenhäuschen in Jever, Heidmühle und Langewerth. Nach dem Kriege gab es Erweiterungspläne, sie wurden aber nicht realisiert.

Ende des Trollis und des Unternehmens
Bereits im Jahre 1946 hatte die Militärregierung eine Erweiterung des Fahrplans genehmigt. Es wurde nach Wilhelmshaven im Halbstundentakt gefahren. Eine weitere Belebung ab es nach der Währungsreform. Neue Buslinien erschlossen das gesamte Jeverland und der Berufsverkehr zu den wachsenden Olympia-Werken in Roffhausen war zu bewältigen. Dabei ging die technische Entwicklung weiter. Es gab Busse für 85 Fahrgäste statt der bisher üblichen Fahrzeuge für höchstens 50 Gäste. Dagegen waren die Oberleitungsbusse nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben und ihr Ende kam. Am 10. September 1954 wurde der Obus-Betrieb auf der Linie von Jever nach Wilhelmshaven eingestellt. Es folgte der Rückbau des Leitungsnetzes und der Anlagen bis zum September des Folgejahres. Pekol entwickelte immer neue und bessere Busse und dieses jetzt nicht nur für den Liniendienst sondern auch für den Ausflugs- und Reiseverkehr, der zunehmend an Bedeutung gewann.


Ein einschneidender Einschnitt war der Tod von Theodor Pekol kurz vor seinem 70. Geburtstag am 1. Mai 1958. Die Töchter führten den Betrieb zunächst fort, männliche Erben gab es nicht, beide Söhne waren im Krieg geblieben. Anna Pekol, die großen Anteil am Betrieb hatte, starb am 11. Januar 1963. Im Jahre 1972 wurde der Betrieb in Jever aufgelöst, die Linien gingen an die Deutsche Bundesbahn. Der Betrieb in Oldenburg ging 1985 an neue Besitzer über.

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Die Firma Pokal hat ihre Wurzeln in Sillenstede. Hier startete auch dieser Reisebus unterhalb der St.-Florians-Kirche mit einem örtlichen Verein zu einer Ausflugsfahrt.

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Schmucke Dienstkleidung trugen die Pekol-Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit und dem freundlichen Umgang mit den Fahrgästen. Bilder: Martin Noormann

 

 

 

Dorfkirche“ von Professor Bernhard Winter:
Anschaulicher als ein Foto – Heimatfreund Erich Graalmann wusste die Namen
Von Martin Noormann
SILLENSTEDE. Aus dem reichen Schaffen von Professor Bernhard Winter als Maler ist im Jeverland besonders das Bild „In einer friesischen Dorfkirche“ von großem Interesse. Es zeigt einen Blick in die bekannte St.-Florians-Kirche zu Sillenstede. Auf dem sehr schönen Gemälde sind insgesamt 41 Personen zu sehen. Dabei handelt es sich um tatsächlich zum Zeitpunkt der Erstehung des Werkes in Sillenstede lebende Personen. Sie sind so deutlich wiedergegeben, dass sie für „Zeitzeugen“ einwandfrei zu erkennen sind. Allerdings leben aus der Entstehungszeit des Bildes um das Jahr 1928 keine Zeitzeugen mehr.
Wie erst jetzt wieder bekannt wurde, hat der Sillensteder Heimatforscher Erich Graalmann (1917 – 1997), der selbst als Knabe auf dem Bild zu sehen ist, der Nachwelt ein genaues Verzeichnis der abgebildeten Mitmenschen hinterlassen. Nach Durchsicht alter Akten im Kirchenbüro von Sillenstede und im Stadtarchiv von Schortens handelt es sich ausschließlich um Einwohner der früheren Gemeinde Sillenstede. Von der Entstehung des Gemäldes kann Frau Elfriede Graalmann aus Erzählungen ihres verstorbenen Mannes berichten. Danach hat Professor Winter zunächst das Innere der Kirche in einer Skizze festgehalten und dann gewünscht, „friesische Gesichter“ für das Werk festzuhalten. Diesem Wunsch haben die Beteiligten entsprochen und sich kurz skizzieren lassen. Die Plazierung ins Bild hat Professor Winter dann nach eigenem Ermessen vorgenommen. So entstand ein Werk, welches deutlicher die Personen wiedergibt, wie vielleicht eine Fotografie aus jenen Tagen.

Auf dem Bild sind von hinten gezählt folgende Sillensteder Einwohner zu sehen:
1. Reihe
Helene Blohm, Emma Busma, Helene Specht, Emma Freese, Melene Blohm, Anna Franzen, Minna Menßen, Minste Hanke und Antonie Woebcken,
2. Reihe:
Georg Janssen, Adele Janssen, Sophie Becker (Meyer), Frieda Hayen (Kind), Carla Helmerichs (Kind), Erna Galts (Kind), Meta Harms, Theda Athen, Catharine Popken und Martha Hammie,
3. Reihe
Anton Abels, Gerh. Graf und Joh. Nannen Blohm
4. Reihe:
Gerhard Peters, Joh. Gerh. Reents, Anni Harms, Johanne Duden und Annchen Schild (Kind)
5. Reihe:
Fritz Mühlena (Kind), Joh. Gerh. Hans (Kind), Theodor Pekol, Amalie Reents und Wilh. Schipper
6. Reihe
Emil Freese, Carl Menßen, Fritz Folkers, Hinrich Pielstick (Kind), Erich Graalmann (Kind), Cornelis Hajen, Hinrich Franzen und Heinrich Reents
Vordergrund: Ferdinand Boje (Kind)

 

[Keine Beschreibung eingegeben]

In einer friesischen Dorfkirche“ hat Professor Bernhard Winter dieses Gemälde genannt, welches das Innere der St.-Florians-Kirche zu Sillenstede zeigt.
Bild Schlossmuseum Jever

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Alte Dorfschule ist jetzt ein Haus der Vereine
Das älteste kommunale Gebäude im Besitz der Gemeinde steht in Sillenstede
Von Martin Noormann

SILLENSTEDE. Die alte Dorfschule in Sillenstede, im Ortskern an der Straße nach Grafschaft gelegen, heute auch manchmal „ehemaliges Rathaus“ genannt, hat eine lange und reichhaltige Tradition. Das Gebäude steht heute unter Denkmalsschutz. In mehreren Jahrhunderten bis in das Jahr 1953 wurden hier die Kinder aus dem Kirchspiel Sillenstede in Lesen und Schreiben unterrichtet. Zu diesem Zeitpunkt wurde die neue Volksschule am Deepsdammer Weg eingeweiht. Danach ist die Verwaltung der ehemaligen Gemeinde Sillenstede in das Gebäude eingezogen. Es wurde bis zum 30. Juni 1973 als „Gemeindebüro“ genutzt und diente danach mehreren örtlichen Einrichtungen.
Lange vor der Einführung der „Allgemeinen Schulpflicht“ in Deutschland, dieses war im Jahre 1763, gab es im Kirchspiel Sillenstede einen geregelten Schulbetrieb. Den Anfang muß man im Jeverland in der Kirchenordnung des jeverschen Rentmeisters Remmer von Seediek suchen, welches auch erste Regeln für das Schulwesen enthält. Wann die Regelungen erstmals in Sillenstede umgesetzt wurden, ist nicht bekannt. Viele Fakten wurden jedoch in den vergangenen Jahrzehnten vom ehemaligen Gemeindedirektor Kuno Oncken und danach von der Heimatforscherin Doris Wolken zusammengetragen. Danach wird bereits in einem Erbregister von 1587 von „Lehrerland“ geschrieben, somit hat es spätestens in dieser Zeit schon eine Schuleinrichtung gegeben. Erster namentlich bekannte „Schulmeister“ ist Conradus Siegmund, der im Jahre 1600 genannt wird. Nach ihm nennen alte Akten für das Jahr 1639 den Schulmeister Nicolaus Kudrup. Am Altar der Sillensteder Kirche ist festgehalten, daß Schweer Haake im Jahre 1645 Schuldiener in Sillenstede war. Danach werden die Überlieferungen dünner, nur 1674 verzeichnet die Sillensteder Kirchenrechnung das „Kalk für das Schulmeisterhaus“ geliefert wurde. Die damit verschönerte Schule ist 1736 abgebrannt. Bereits im folgenden Jahr wurde eine neue Schule als Wohnhaus mit Scheune gebaut. Diese wurde bereits 1760 um eine zweite Klasse erweitert, dazu wurde ein Nebenlehrer eingestellt. Somit war das Schulwesen drei Jahre später bei der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in ganz Deutschland schon lange komplett eingerichtet.
Wiederum eine neue Schule wurde im Jahre 1821 erbaut und ebenfalls wieder mit zwei Klassen bedacht. Dabei handelt es sich zweifellos um das jetzige Gebäude. Ob auch die Vorgänger präzise an diesem Platz gestanden haben kann angenommen werden, bleibt jedoch abschließend zu klären. Bereits für das Jahr 1844 verzeichnen die Analen eine größere Erweiterung des Schulgebäudes. Die wachsende Zahl der Schüler war für die Gemeindeväter in Sillenstede Grund um im Jahre 1888 das Nachbarhaus zu kaufen und zu Schulräumen umzugestalten. Eine nochmalige Erweiterung des Schulbetriebes gab es dann nach dem zweiten Weltkrieg im Jahre 1948 als zwei Klassenräume in dem ehemaligen Pionierpark in einer Baracke eingerichtet wurden. Die weitere Entwicklung hat die Gemeinde Sillenstede schließlich gezwungen, nach einem neuen Schulstandort zu suchen, da am bisherigen Platz eine nochmalige Erweiterung nicht mehr möglich war.
So ist das Gebäude der alten Dorfschule Sillenstede nach den vorhandenen Unterlagen über 180 Jahre alt und zum großen Teil in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Es gibt im Bereich der Gemeinde Schortens heute noch mehrere ehemalige Schulgebäude, diese sind aber zum großen Teil umgestaltet. Auf jeden Fall ist die alte Dorfschule in Sillenstede das älteste noch im gemeindlichen Besitz befindliche öffentliche Gebäude im Bereich der Gemeinde Schortens.
Diese hat in den vergangenen Jahren bereits viel für die Unterhaltung und den Erhalt des Gebäudes getan. Diese Bemühungen sollten fortgesetzt werden, um das Anwesen dauerhaft zu erhalten und auch weiterhin eine dem historischen Wert des Gebäudes entsprechende Nutzung möglich zu machen.

[Keine Beschreibung eingegeben]
Bildbeschreibung
Die alte Dorfschule auf dem Gelände der ehemaligen zweiten Pastorei von Sillenstede ist jetzt ein Haus der Vereine. Das Wappen der früheren Gemeinde Sillenstede (rechts im Bild) schmückt noch das Gebäude.
Bild Martin Noormann

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Die Königskanne wurde im 210. Jahr ausgegeben


Die wertvollen Erinnerungsstücke an das Königsjahr sind zum Teil noch vorhanden
SILLENSTEDE/SH. Der jeweilige Schützenkönig in Sillenstede zur Erinnerung an das Königsjahr nach erfolgreichem Ablauf eine besonders wertvolle Zinnkanne. Es war vor 210 Jahren schon so Tradition und soll es auch in Zukunft bleiben, sagte Schützenpräsident Matthias Busch bei der Jahresabschlussveranstaltung seines Vereins. Damit überreichte er die Kanne für das 210. Schützenjahr an den König Christian Mattew, der die Sillensteder Schützen ab dem Schützenfest 2006 für ein Jahr „regierte“.
Form und Gestaltung der Zinnkanne haben sich in über zwei Jahrhunderten nicht geändert. Als Vorlage dient das erstmals ausgegebene Stück. Diese Kanne wurde mit der Inschrift graviert „Das Erste Scheiben- Schieszen in Sillenstede. Den 5. August 1797“. Wie verdiente Heimatforscher in der Vergangenheit ermittelten, war erster Schützenkönig und damit erster Besitzer einer solchen Schützenkanne der Landwirt und Kirchengeschworener Johann Caspelmann. Er lebte vom 22. Januar 1765 bis zum 25. Februar 1809 auf dem Landgut Warfe im Kirchspiel Sillenstede. Warfe ist heute unter dem Namen „Purkswarfe“ bekannt und eine schöne Hofstelle in der weiten Marsch der ehemaligen Gemeinde Sillenstede.
Mehrere dieser Königskannen wie auch andere Auszeichnungen befinden sich noch im Besitz von alteingesessenen Familien von Sillenstede. Vermutlich stammen die noch erhaltenen Schießpreise aus den ersten 20 Jahren der langen Geschichte des Sillensteder Schützenfestes alle aus der gleichen Werkstatt. Die Gleichmäßigkeit der Formen und Verzierungen lassen darauf schließen. Heimatforschern vermuten, dass diese alle von der alten jeverschen Zinngießerfamilie Tiarks hergestellt wurden.

Bild:
Vor dem Sillensteder Gemeindewappen erhielt Schützenkönig Christian Mattew (links) ein schönes Erinnerung an sein Königsjahr. Getreu dem 210 Jahre alten Vorbild überreichte ihm Vereinspräsident Matthias Busch eine der begehrten Sillensteder Schützenkanne.                               .                                  Bild: Noormann