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Sprache und Kultur

Över Plattdüütsch up platt vertellt
Plattdeutsch in Wort und Gesang zum Sprachentag

Georg Schwitters zeigte im Heimatverein Schortens die Geschichte der Sprache auf Von Martin Noormann
SCHORTENS.
Vom „Stammbaum und aus dem Lebenslauf der niederdeutschen Sprache“ berichtete Georg Schwitters, Beauftragter des Landkreises Friesland für die plattdeutsche Sprache, den Mitgliedern und Gästen des Heimatvereins in Schortens. Ein größerer Kreis interessierter Heimatfreunde hatte sich dazu im großen Saal des Bürgerhauses eingefunden, denen Georg Schwitters die wechselvolle Geschichte der Sprachen unterstützt von Übersichtsplänen und Schautafeln in anschaulicher Weise näher brachte. Die Veranstaltung wurde damit zu einem besonderen Beitrag zum europäischen Sprachentag, der seit dem Jahre 2001 jährlich am 26. September begangen wird. Damit wurde besonders deutlich gezeigt, dass niederdeutsch eine Umgangssprache ist, in der sehr gut auch ernstere Themen behandeln werden können. Es wurde an diesem Abend ausschließlich plattdeutsch Gesprochen. Auch die Bedienung durch das Team der Bürgerhausgastronomie hatte damit kein echtes Problem.

Georg Schwitters machte dabei deutlich, dass eine Sprache mit den Menschen leben soll, die diese Sprache sprechen. Wie die Menschen, so verändern sich auch solche Sprachen wie alle Dinge im Leben. Durch die Entwicklung in der Forschung und in der Technik ergeben sich neue Begriffe, die auch zum Teil aus anderen Sprachen übernommen werden. Die Mehrzahl der europäischen Sprachen sind miteinander verwandt und haben ihren Ursprung in der indoeuropäischen Sprache, die auch die indogermanische Sprache genannt wird. Sie ist in ihrem Ursprung ohne Schrift und wurde in der Völkerwanderung von den Menschen „mitgenommen“, aber auch zum Teil verändert. Durch Dialekte entstanden neue Sprachen, die erstmals mit einer Keilschrift festgehalten wurden. Es entwickelten sich germanische Sprachen mit den Runen als eigene Schriftform. Die Germanen teilten sich in zahlreiche Gruppen und suchten nach neuen Lebensräumen. Bis zum Jahre Christi Geburt teilten sich die Sprachen durch Lautverschiebungen in mehrere Sprachgruppen. Eine Sprachgruppe war das Westgermanisch als Vorstufe zur heutigen deutschen und holländischen Sprache. Daraus entwickelte sich auch das Altsächsische als die Vorgängerin der niederdeutschen Sprache, die mit der englischen Sprache eng verwandt ist. Eine interessante Entwicklung gab es auf der englischen Insel. In den neuen Gebieten der Völker gab es die zweite Lautverschiebung und es entstand bis zum Jahre 1100 die hochdeutschen Sprache überwiegend in Süddeutschland. Damit war Deutschland praktisch zu einem Zwei-Sprachen-Land geworden. Die Sprachgrenze war die sog. „Benrather Linie“, eine Dialektgrenze, die bei Benrath in der Nähe von Düsseldorf den Rehein überquert und entlang des Mittelgebirges bis Frankfurt/Oder verläuft.

Die nördlich dieser Linie gebräuchliche niederdeutsche Sprache war Weltsprache und im Großraum um Nord- und Ostsee die Handelssprache. Durch die Hanse hatte sie größere Bedeutung wie das Hochdeutsch. Auch Adel und Bürgertum sprachen niederdeutsch. Der Sachsenspiegel, die bekannte Sammlung von Recht und Gesetz, war in niederdeutsch verfasst worden und ist ihr allgemein gültiger Ausdruck in der Schriftform. Auch die von Fräulein Maria von Jever herausgegebene Kirchenordnung für das Jeverland war in niederdeutscher Sprache verfasst.

Eine Verschiebung der Gewichte zu Gunsten der hochdeutschen Sprache ergab sich aus unterschiedlichen Gründen, besonders durch den Niedergang der Hanse auf der einen Seite und die Herausgabe der Luther-Bibel in hochdeutsche Sprache auf der anderen Seite. Die Entwicklung wurde im Lauf des 17. Jahrhundert unterstützt durch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, der Schulunterricht wurde vorwiegend in Hochdeutsch erteilt. Damit war Norddeutschland zweisprachig geworden.

Heute ist die plattdeutsche Sprache ein Kulturgut, welches es zu erhalten gibt. Die von den Eltern ererbte plattdeutsche Sprache muss an die Kinder weitergeben werden. Sie ist auch ein Teil der Bildung.

Die Vortragspausen wurden von dem Gitarrenduo Anna und Lena (Anna Frost und Magdalena Julius) aus Esens mit Liedvorträgen in plattdeutscher Sprache nicht nur „ausgefüllt“. Die jungen Damen konnten den großen Saal des Bürgerhauses auch ohne große Technik akustisch gut ausfüllen und ihr Spiel und ihr Gesang . besonders die Texte, erfreuten die Zuhörer, die sowohl vom Vortrag wie von der musikalischen Umrahmung begeistert waren. Zum Abschluss dankte der amtierende Vorsitzende Michael Kunz vom Heimatverein für den gelungenen Abend. Viele Teilnehmer fühlten sich in alte Zeiten versetzt und der Abend hat dazu beigetragen, die plattdeutsche Sprache wieder in die Köpfe „hereinzubringen“. Dieses ist eine Zukunftsaufgabe.

 

Das Gitarrenduo Anna (rechts) und Lena aus Esens waren mit ihrem Spiel und ihrem Gesang in plattdeutscher Sprache eine echte Bereicherung für den Vortragsabend, so dass man sie in Schortens gerne wiedersehen würde.
Foto: Noormann

 

 

Plattdeutsche Sprache im Heimatverein Schortens gepflegt
Rudi Rabe liest aus der Sammlung der Plattsnaker – Kreisbeauftragter imformiert

SCHORTENS/MX. Die Pflege der plattdeutschen Sprache stand beim Heimatverein Schortens in seiner monatlichen Veranstaltung im Mittelpunkt. Für den erkrankten Vorsitzenden begrüßte sein Stellvertreter Franz Cornelius an diesem Abend in der Runde der Heimatfreunde im Bürgerhaus neben dem angekündigten Referenten Rudi Rabe auch den früheren Vorsitzenden Georg Schwitters in seinem neuen Amt als Beauftragter des Landkreises Friesland für die plattdeutsche Sprache für das Gebiet des Nordkreises.
Georg Schwitters zeigte sich froh, dass die Aufgabe „Pflege der niederdeutschen Sprache“ vom Landkreis aufgegriffen wurde. Daher habe er auch gerne des Amt des Beauftragten übernommen. Nach Ansicht von Schwitters ist die Einsetzung von zwei Beauftragten für den Nord- und den Südkreis richtig. Nicht die Entfernung gab dabei den Ausschlag, sondern die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse, die früher sowohl im Jeverland wie auch in der Friesischen Wehde gewirkt haben. Dies hat auch einen Einfluss auf die Sprache.

Aufgabe der Beauftragten ist es, verstärkt für die plattdeutsche Sprache zu werben. Ein Schwerpunkt sind dabei die Schulen und die Kindergärten. Hier können aber die Beauftragten nicht allein wirken, sie werden mit hoffentlich wachsenden Aufgaben   dann verstärkt auf ehrenamtliche Helfer angewiesen sein.

Die niederdeutsche Sprache hat den gleichen kulturellen Wert wie andere Sprachen  Sie wurde noch bis zum zweiten Weltkrieg in Norddeutschland fast flächendeckend gesprochen. Der Heimatverein Schortens wünschte den beiden Beauftragten eine erfolgreiche Arbeit und wird die Pflege der niederdeutschen Sprache wie bisher nach Kräften unterstützen.

Plattdeutsch im praktischen Einsatz gab es dann mit Rudi Rabe, der im Heimatverein und in der Gruppe „de plattsnackers“ (die Plattsprecher) in Schortens aktiv ist. In der noch relativ jungen Gruppe der Plattsprecher sind 10 Autoren und einige Helfer aktiv, die inzwischen über 500 Geschichten und Gedichte, zeitgenossische Erzählungen und ähnliche Dinge gesammelt haben. Zur Überraschung der Aktiven besteht an den Gedichten das weitaus größere Interesse. Diese werden von der Gruppe in größerer Zahl abgefordert. Rudi Rabe trug dann zunächst einige „Kostproben“ von Gedichten und Geschichten aus der Sammlung vor.

Mit Hinblick auf den Veranstaltungstag (8. Mai) erinnerte Rudi Rabe an das Ende des zweiten Weltkrieges vor nunmehr 63 Jahren und trug aus eigenem Erleben aus der Kriegszeit vor. Der vor wenigen Monaten aus Addernhausen gemeldete Fund einer Bombe rief wieder Erinnerungen an die Bombennacht vom 15. Oktober 1944 wach. Es waren in Addernhausen nicht nur große Sachschäden sondern auch vier Tote zu beklagen. So wechselten im Vortrag von Rudi Rabe heitere und sehr besinnliche Teile und der Referent zeigte, dass mit plattdeutscher Sprache nicht nur humorvolle Dinge, sondern recht sensibel schwierige Fragen und traurige Ereignisse behandelt werden können.
In einem weiteren Beitrag berichtete Rudi Rabe von einem Klassentreffen mit dem Besuch von Professor Dr. Arnold Schultze, dem Sohn des früheren Hauptlehrers Schultze in Oestringfelde. Arnold Schultze hat ein plattdeutschen Tagebuch von einer Besteigung des Kilimandscharo in Afrika verfasst, welches Rudi Rabe jetzt den Heimatfreunden vortrug. Viele alte und neue Geschichten hat Rudi Rabe in einem Buch mit dem Titel „De Paster kummt“ zusammengestellt, welches jetzt im Handel erhältlich ist. Daraus trug er zum Abschluss noch eine Passagen vor. Aufgelockert wurde das Programm weiter von Hilde Thaden, die recht humorvoll aus der eigenen Kinderzeit in Schortens und Klein Ostiem erzählte.

Zum plattdeutschen Vortragsabend des Heimatvereins wurden Referent Rudi Rabe (rechts) von der Gruppe „De Plattsnakers“ (rechts) und der Kreisbeauftragte für die Plattdeutsche Sprache, Georg Schwitters (links), von stellvertretenden Vorsitzenden Franz Cornelius begrüßt.      Bild: Martin Noormann

 

 

 

Kleine „Plattschnacker“ sind in Sillenstede aktiv
Niederdeutsche Sprache wird im Kindergarten und in der Grundschule gepflegt
SILLENSTEDE. Die plattdeutsche Sprache wird Im Kindergarten „Spatzennest“ und in der Grundschule in Sillenstede am Deepsdammer Weg seit dem Spätherbst dieses Jahres wieder gepflegt. An einer entsprechenden Arbeitsgruppe beteiligen sich 15 bis 20 Kinder aus beiden Einrichtungen. Jeweils eine Stunde in der Woche steht bei ihnen die Heimatsprache auf dem Programm. Für die Gestaltung wurden Hilde Obermark und Doris Wolken gewonnen. Beide Frauen sind in Sillenstede und mit „jeverländischem Platt“ aufgewachsen.

Die „kleinen Plattschnacker“ lernen die niederdeutsche Sprache mit Liedern und Gedichten und schon nach den ersten wenigen Stunden zeigten sich beachtliche Erfolge. Besonders mit dem Gesang plattdeutscher Lieder ist den Kindern ein gutes „Hörgefühl“ für die Heimatsprache zu vermitteln, verrieten uns die beiden Damen. In den Stunden wird fast ausschließlich niederdeutsch Gesprochen. Nur gelegentlich werden Begriffe zum Verständnis ins Hochdeutsche übersetzt.

Zur Abschlussstunde für dieses Jahr waren auch die Eltern eingeladen und der größere Teil, besonders die Mütter, nutzten die Gelegenheit, um sich vom Wirken in dieser Gruppe zu überzeugen. Kindergartenleiterin Tanja Stamer und Schulleiterin Claudia Bonkowske waren dabei. Sie zeigten sich überrascht von den Fähigkeiten, die in kurzer Zeit erworben wurden. Für alle wurde ein buntes Programm mit Liedern und Gedichten passend zur Weihnachtszeit geboten. Nach einer Pause soll es dann im neuen Jahr weitergehen. Die Kinder freuen sich schon darauf, denn dann stehen „Asterix und Obelix“ auf plattdeutsch auf dem „Arbeitsprogramm“.

Zum Jahresabschluss dankte Leiterin Tanja Stamer für den Kindergarten und die Grundschule den beiden Frauen für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Beide erhielten von den Einrichtungen je ein kleines Präsent als Anerkennung für ihren Einsatz. Es macht Freude, umschrieben beide ihre Tätigkeit mit den Kindern, die manchmal etwas lebhaft aber mit großem Eifer bei der Sache sind.

Erfolgreich wirkt die plattdeutsche Gruppe vom Kindergarten und der Grundschule Sillenstede mit Doris Wolken (links) und Hilde Obermark (Mitte). Davon überzeugte sich auch Kindergartenleiterin Tanja Stamer (2. von rechts). 
Foto: Noormann